In Kürze treffen sich die Top-Wirtschaftsmächte zum G20-Gipfel in Hamburg. Die drängenden Probleme dieser Welt lösen sie aber nicht – dieser Vorwurf ist auf dem Alternativgipfel immer wieder zu hören. Die Teilnehmer stellen ihre Forderungen für eine bessere Welt.

Wortgewaltig übt die Aktivistin Vandana Shiva beim Alternativgipfel in Hamburg scharfe Kritik an der Politik der führenden Wirtschaftsmächte G20. Die 64-jährige Inderin in ihrem bunten Sari-Gewand gilt als eines der Gesichter der globalisierungskritischen Bewegung. Ihrer Eröffnungsrede beim Gipfel der globalen Solidarität lauschen am Mittwoch rund 1000 Menschen in der Kulturfabrik Kampnagel. Es ist so voll, dass es zwischendurch einen Einlassstopp gibt. «Die Menschen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen», davon ist Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, überzeugt. Wie sie wollen die Besucher kurz vor dem G20-Gipfel ein starkes Zeichen für mehr Gerechtigkeit setzen.

Denn am Freitag beginnen in der Hansestadt die Beratungen der Staats- und Regierungschefs der führenden Industrie- und Schwellenländer. Beim alternativen Gipfel debattieren die Teilnehmer bei Podiumsdiskussionen und in Workshops über Strategien, wie die Probleme der Welt – Hunger, Armut, Klimawandel oder Rassismus – gelöst werden können. Aufgerufen hat dazu ein breites Bündnis aus sehr unterschiedlichen Organisationen – darunter das Netzwerk Attac, die Interventionistische Linke, der Flüchtlingsrat, die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung und die Umweltschützer von Robin Wood.

Sind die G20 Teil des Problems oder Teil der Lösung? Darüber wird heiß debattiert. Angereist sind politisch interessierte Menschen aus dem In- und Ausland, die meist eher dem links-alternativen Spektrum angehören. Während die charismatische Wissenschaftlerin Shiva ein gerechteres Wirtschaftssystem fordert und Missstände in der industriellen Landwirtschaft anprangert, machen sich viele Notizen. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit Shiva und anderen Aktivisten können die Besucher Fragen und Kommentare auf Zettel schreiben. «Es war eine schöne Einführung in die Themen dieses Gipfels», sagt Antonia Groß (26) aus Frankfurt/Main anschließend.

Vor den Veranstaltungsräumen haben Initiativen Infostände aufgebaut, Aktivisten verteilen Flugblätter. «Die Menschheit braucht Revolution» oder «Menschenrechte vor Profit» ist darauf zu lesen. Gerti Wolf ist extra aus Darmstadt angereist. «Ich beobachte mit Besorgnis, was auf dieser Erde immer mehr passiert», sagt die 64-Jährige. «Die Ungleichheit wächst, unser Luxus geht auf Kosten vieler Menschen im Rest der Welt.» Sie bezweifelt, dass die G20 in Hamburg zu einer besseren Welt beitragen werden. «Trotzdem ist es wichtig einzufordern, dass von ihnen eigentlich eine andere Politik gemacht werden müsste.»

Für diesen Politikwechsel will die Bürgerrechtlerin Shiva bei ihren zahlreichen internationalen Auftritten weiter unermüdlich kämpfen. «Wir müssen die Erde schützen, ihre Schönheit und ihre Vielfalt», sagt die Ökologin am Rande der Veranstaltung. «Ich verliere die Hoffnung nicht.»

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veröffentlicht von Redaktion

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