Das Arbeiten im Home-Office wird hierzulande immer populärer. Vielen Arbeitnehmern erscheint es verlockend, die Zeit für den Arbeitsweg einzusparen und ihre Aufgaben in der heimischen Umgebung zu erledigen. Doch wie vorteilhaft ist es wirklich, den Arbeitsplatz vom Büro in die eigenen vier Wände zu verlegen? Ein Überblick über die Vor- und Nachteile.

 

Pro Home-Office

 

Zeitersparnis

Wer einen längeren Anfahrtsweg zum Büro bewältigen muss, verbringt leicht zwei bis drei Stunden täglich in Verkehrsmitteln. Je nach Arbeitszeit kommt das Gedränge während der Rushhour als negatives Merkmal hinzu. So sind Betroffene schon einem Stressfaktor ausgesetzt, bevor sie den Arbeitsplatz überhaupt erreicht haben. Wer sich diesen Stress und den Arbeitsweg sparen kann, benötigt morgens zudem keine Zeit, um sich herzurichten. Die gewonnenen Stunden können genutzt werden, um länger zu schlafen, ausgiebiger zu frühstücken – oder, um früher mit dem Arbeiten zu beginnen und den Feierabend vorzuziehen.

Work-Life-Balance

Home-Office

Bildquelle: Kate33/shutterstock

Nachmittags ins Schwimmbad, sich mit einer Freundin treffen oder das Nachbarkind betreuen? Bei der Lieferung eines Päckchens anwesend sein oder einen Zahnarzttermin wahrnehmen? Kein Problem im Home-Office. Schließlich kann die Arbeitszeit abends angehängt werden. Diese Möglichkeit zur Selbstbestimmung schafft mehr Freiheit und kann die Motivation merklich erhöhen. Allerdings ist es wichtig, die Arbeitszeit möglichst konstant klar zu definieren, ansonsten besteht die Gefahr der „Aufschieberitis“. Je nach Unternehmen werden ohnehin auch bei Mitarbeitern, die zu Hause arbeiten, feste Zeiten der Erreichbarkeit erwartet.

Konzentrierteres Arbeiten

Im Büro geht mehr oder weniger Zeit durch Plaudereien mit den Kollegen, aber auch durch sinnlose Meetings verloren. In Großraumbüros stört zudem oftmals die Geräuschkulisse. Wer zu Hause arbeitet, bestimmt selbst, ob, wann und wodurch er sich unterbrechen oder stören lässt. Das ermöglicht konzentriertes Arbeiten auch über eine längere Zeitstrecke hinweg und kann zu wesentlich besseren Ergebnissen führen.

Kostenersparnis

Im Home-Office muss das Outfit nicht perfekt sein. Dadurch reduzieren sich sowohl die Anschaffungs- als auch die Reinigungskosten merklich. Unter gewissen Voraussetzungen kann das häusliche Arbeitszimmer von der Steuer abgesetzt werden. Gleichzeitig sollte mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden, wer die Ausstattung mit PC, Büroeinrichtung und Arbeitsmaterialien finanziert – damit sich die Kostenersparnis nicht ins Gegenteil verkehrt.

Selbstgewählte Umgebung

Das eigene Büro kann nach eigenem Geschmack eingerichtet und ausgestattet werden. Wer je in ein Räumlichkeiten gearbeitet hat, in denen er sich nicht wohl fühlte, weiß diesen Vorteil zu schätzen. Ein angenehmes Arbeitsumfeld erhöht die Produktivität und ein Home-Worker muss seinen persönlichen Geschmack niemandem gegenüber rechtfertigen.

Mehr Freiraum durch selbstbestimmtes Arbeiten

Ein Chef, der einem permanent über die Schulter schaut, ist nicht jedermanns Sache. Tatsächlich kann eine Atmosphäre, die vom Gefühl der Kontrolle geprägt ist, den Arbeitsergebnissen schaden. Im Home-Office gibt es diesen Störfaktor nicht – die einzige Kontrollinstanz während der Arbeitszeit ist die eigene Person. Idealerweise sollte sie diese Aufgabe auch erfüllen.

 

Contra Home-Office

 

Ablenkungsgefahr

Kurz Geschirr abwaschen, das Wohnzimmer aufräumen oder einen Blick in Social Media werfen? Die Gefahr, sich von solchen Ablenkungen aus dem Konzept bringen zu lassen, ist sehr hoch. Hier hilft nur eiserne Disziplin. Feste Arbeitszeiten sind ein Muss, andere „kleine Erledigungen“ und private Telefonate währenddessen sollten strikt vermieden werden. Auch To-Do-Listen und selbst gesetzte Deadlines schützen vor dem Verzetteln.

Soziale Isolation

Arbeitsplatz

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Das Arbeiten ohne soziale Kontakte kann einsam machen. Videokonferenzen und Kontakte per Skype zu den Kollegen können das nur bedingt wettmachen. Wie stark dieser Nachteil ins Gewicht fällt, ist Charaktersache. Es kann hilfreich sein, sich in den Mittagspausen mit Freunden zu verabreden – bei ausgesprochen kontaktfreudigen Menschen wird das allerdings nicht ausreichen, um mangelnde zwischenmenschliche Kontakte auszugleichen.

Fehlende Motivation

Auch die Motivationsfaktoren sind bei Menschen unterschiedlich angelegt. Manche benötigen den Austausch mit Kollegen, um bei einem Projekt richtig in die Gänge zu kommen. Sie werden sich im Home-Office schwerer tun als Menschen, die das Glück haben, sich selbst motivieren zu können. Oft stellt sich das erst durch einen praktischen Versuch heraus.

Keine Abgrenzung der Arbeit zum Privatleben

Wer ins Büro geht, der schließt nach Feierabend die Tür hinter sich. Beim Home-Worker dagegen ist die Arbeit stets nur wenige Schritte entfernt. Das kann dazu führen, dass der Job ständig präsent ist. Entweder wird noch abends über eine Aufgabe sinniert oder sie wird „gleich noch kurz“ erledigt. Doch wer nicht abschalten kann, der erholt sich nicht. Deshalb ist im Home-Office ein separates Arbeitszimmer wichtig, das ausschließlich während der Arbeitszeit betreten wird. Zu Beginn kann ein Büroschild hilfreich sein, das nach Feierabend auf „Closed“ gedreht wird.

Mangelnde Anerkennung

Ein weiterer Nachteil kann im Unternehmen selbst liegen. Führungskräfte nehmen oft nur die Arbeitsergebnisse jener Mitarbeiter wahr, die körperlich anwesend sind (Stechuhr-Prinzip). Auch bei im Büro arbeitenden Kollegen hat die Arbeit von zu Hause aus teilweise das Image, die Heimarbeiter seien weniger engagiert. Diese Gemengelage kann im schlimmsten Fall zu einem Karriereknick führen. Die Gefahr kann reduziert werden, wenn das Home-Office-Modell zunächst nur an zwei, drei Tagen wöchentlich praktiziert wird. So bleibt der reale Kontakt zu Mitarbeitern und Vorgesetzten erhalten. In dieser Zeit sollten die zu Hause erzielten Arbeitsergebnisse ausdrücklich präsentiert werden.

veröffentlicht von Jennifer

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