Deutschland ist nach China der wichtigste Handelspartner für Russland. Deshalb empfängt Präsident Putin einmal im Jahr die Spitzen der deutschen Wirtschaft. Die Zusammenarbeit wird allerdings von Plänen jenseits des Atlantiks belastet.

Kremlchef Wladimir Putin bespricht am Donnerstag in Sotschi mit deutschen Wirtschaftslenkern die Lage im Russland-Geschäft. Nach vier Jahren Rückgang hat der bilaterale Wirtschaftsaustausch 2017 wieder zugelegt. Aber die EU-Sanktionen gegen Russland wegen des Konflikts in der Ukraine bereiten den deutschen Firmen weiterhin Probleme. Unsicherheit herrscht auch wegen der Verschärfung von US-Strafmaßnahmen gegen Russland, bei denen die Umsetzung noch nicht klar ist.

Die deutsche Delegation wird vom Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Büchele, geführt. Vertreten sind unter anderem die Dax-Unternehmen Siemens und Linde, der weltgrößte Gips-Konzern Knauf, der Pipelinebauer Nord Stream und andere Großinvestoren. Der Ost-Ausschuss sprach von einem jährlichen mit Putin vereinbarten Treffen ohne besonderen Anlass.

2016 betrug der deutsch-russische Handel rund 48 Milliarden Euro, wenige Jahre zuvor waren es noch fast doppelt soviel gewesen. Allerdings kletterte das Handelsvolumen in den ersten fünf Monaten 2017 um fast 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses, rechnet für das Gesamtjahr mit 20 Prozent höheren deutschen Exporten.

Auch die Investitionen ziehen an, je mehr die russische Wirtschaft aus der Krise kommt. Auslöser der Rezession seit 2014 waren fehlende Reformen, der schwache Ölpreis und die Sanktionen. «Russlands Wirtschaft wird 2017 wieder wachsen, wenn auch nur leicht», prognostizierte die deutsche Außenhandelsförderung GTAI. Der russische private Konsum ist weiterhin schwach, die Realeinkommen der Bürger sind gesunken.

Die deutschen Firmen fürchten vor allem, in den USA wegen ihrer Russland-Geschäfte unter Druck zu geraten. Die vom US-Kongress durchgesetzten schärferen Sanktionen richten sich zum Beispiel gegen das vom russischen Staatskonzern Gazprom geführte Projekt Nord Stream 2 für eine zweite Gaspipeline durch die Ostsee. Aus Deutschland sind daran die Energiekonzerne Wintershall und Uniper beteiligt. Die Bundesregierung, die den Pipeline-Bau unterstützt, hatte die US-Pläne kritisiert.

Für Aufregung hatte zuletzt gesorgt, dass Siemens Turbinen für ein Gaskraftwerk geliefert hatte, die trotz anderslautender Verträge auf die von Russland annektierte ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim gebracht wurden. Als Folge warnte die russische VW-Tochter einem Bericht der Wirtschaftszeitung «Wedomosti» zufolge Händler im Land, keine Busse und Lastwagen auf die Krim zu liefern.

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veröffentlicht von Redaktion

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