Tschechien stuft derzeit die eigene Währung vorteilhafter ein als einen Beitritt zur Eurozone. Das betonte der geschäftsführende Regierungschef Andrej Babis am Samstagabend bei einer Diskussion mit seinem slowakischen Amtskollegen Peter Pellegrini im Rahmen einer Festival-Eröffnung in Brno (Brünn). Die Euro-Einführung habe für ihn deshalb keine Priorität, wiederholte Babis nach Angaben der Nachrichtenagentur CTK mehrmals.

«Ich bin mit der Tschechischen Krone sehr zufrieden und glaube, dass es sehr segensreich für unsere Wirtschaft ist, dass die tschechische Nationalbank im Falle eines Problems die Möglichkeit zur Intervention hätte», erläuterte der Gründer der liberal-populistischen Bewegung ANO seine Skepsis gegenüber dem Euro. Seinem slowakischen Kollegen Pellegrini wünschte er viel Glück, dass die 2009 der Eurozone beigetretene Slowakei «nicht für die griechischen und italienischen Schulden zahlen» müsse.

Pellegrini entgegnete, sein Land sei mit dem Euro sehr zufrieden. Die Slowakei habe auch dank des Euro ein hohes Wirtschaftswachstum und die niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Staatsgründung. Tschechien hat sich wie die neun anderen im Jahr 2004 der Europäischen Union beigetretenen Staaten verpflichtet, den Euro einzuführen. Eine Frist dafür ist im Beitrittsvertrag jedoch nicht festgelegt.

Babis und Pellegrini eröffneten in Brno ein Festival zur 100-Jahr-Feier der Gründung der Tschechoslowakei 1918. Diese habe beiden Nationen ihre Freiheit von der Habsburgermonarchie gebracht, sagten die Regierungschefs übereinstimmend. Trotzdem sei es auch richtig gewesen, den gemeinsamen Staat 1993 wieder aufzulösen. Seit der staatlichen Trennung sei das Verhältnis zwischen Tschechen und Slowaken noch freundlicher als zuvor geworden, lobten sie.

veröffentlicht von Redaktion

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.