Private Altersvorsorge für jeden Geldbeutel – Riester-Rente mit staatlicher Förderung

Die Renten sind sicher! Diese oftmals zitierte Aussage des früheren Bundesarbeitsministers Norbert Blüm [CDU] klingt auch heutzutage noch manchem Rentner im Ohr, und von ihrem Grundtenor her stimmt sie auch. Jeder Rentner kann sich fest darauf verlassen, dass am letzten Werktag des Monats die gesetzliche Altersrente pünktlich auf seinem Girokonto gutgeschrieben wird. Das heutige und vor allem zukünftige Problem ist jedoch die Rentenhöhe. In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung immer wieder, wie es genannt wird, an der Rentenschraube gedreht. An der komplizierten Renten- und Rechenformel sind regelmäßig Änderungen vorgenommen worden, und zwar immer zum Nachteil der zukünftigen Rentenbezieher. Wer Rentner ist, der profitiert von den jährlichen Rentenanpassungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Geradezu gebetsmühlenartig wird der Bürger immer wieder darauf hingewiesen, dass seine gesetzliche Altersrente die Rentenlücke nicht decken wird. Sie ist die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen als Erwerbstätiger und der Altersrente im ersten Rentenmonat. Diese Differenz ist für viele ein Schock. Die Ausgaben bleiben weitgehend bestehen, während sich das Einkommen bis zur Hälfte reduziert. Doch das ist erst der Anfang. Die zukünftigen Ausgaben steigen weiterhin deutlicher als die jährlichen Rentenanpassungen. Dem Rentner bleibt, ebenso wie dem Arbeitnehmer, dauerhaft weniger Netto vom Brutto. Die einzige Lösung in dieser Situation ist eine private Zusatzrente als Ergänzung der gesetzlichen Altersrente. Damit lässt sich die unvermeidbare Rentenlücke teilweise, bestenfalls sogar ganz schließen. Eine Möglichkeit mit staatlicher Förderung ist die private Riester-Rente. Sie ist benannt nach Walter Riester, dem ehemaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester [SPD] als einem der Nachfolger von Norbert Blüm. Wie es umgangssprachlich heißt, wird geriestert. Damit ist eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung gemeint, die Riester-Rente.

Altersvorsorge für eine Vielzahl von Berufsgruppen

Die Riester-Rente mit staatlicher Förderung ist für nahezu alle Berufsgruppen geeignet. Ausgenommen sind lediglich rentenversicherungsfreie Selbstständige, Studenten, Sozialhilfebezieher sowie Empfänger von Altersrente, Erwerbs- beziehungsweise Berufsunfähigkeitsrente. Alle Arbeiter, Angestellten und Beamten können riestern. Sie schließen mit der Riester-Rente einen Altersvorsorgevertrag ab und haben damit automatisch Anspruch auf die gesetzlich vorgegebene staatliche Förderung. Angeboten wird diese private Zusatzversorgung von Kreditinstituten, Versicherungen und Finanzdienstleistern. Rechtsgrundlagen sind das Gesetz zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und zur Förderung eines kapitalgedeckten Altersvorsorgevermögens, kurz Altersvermögensgesetz AVmG aus dem Jahre 2002 sowie das Einkommensteuergesetz EStG.

Riester-Rente mit drei Modellen zur bedarfsgerechten Auswahl

Der rentenversicherungspflichtige Unselbstständige kann zum Riestern unter den drei Möglichkeiten
• Riester Rentenversicherung
• Riester Banksparplan
• Wohn Riester

auswählen. Die Rentenversicherung gilt als klassische Riester-Rente. Der Versicherungsnehmer weiß bei Vertragsabschluss genau, mit welcher Rentenhöhe er bei Vertragsablauf rechnen kann. Für ihn steht die finanzielle Sicherheit ohne jedes Risiko im Vordergrund. Eine Mindestrendite an Zinsen und Überschüssen ist garantiert. Diese private Altersvorsorge ist für all diejenigen geradezu ideal, die dauerhaft, also über Jahre oder Jahrzehnte hinweg regelmäßig ansparen und die Garantie auf Schließung oder Verkürzung der Rentenlücke haben möchten. Eine Alternative dazu ist die fondsgebundene Rentenversicherung. Vom Versicherer werden die eingezahlten Beiträge nicht in festverzinslichen Wertpapieren, sondern in Investmentfonds mit Aussicht auf eine höhere Rendite angelegt. Daran wird der Versicherte beteiligt, wodurch sich die spätere Riester Rente erhöhen kann. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.

Der Riester Banksparplan ist für diejenigen besonders geeignet, die erst zehn bis fünfzehn Jahre vor Renteneintritt mit dem Riestern beginnen. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um die einfachste Form der Riester-Altersvorsorge. Die vereinbarte monatliche Sparrate wird festverzinst. Der Zinssatz orientiert sich an Leit- oder Referenzzins. Der Abschluss eines Riester Banksparplanes ist problemlos möglich, vergleichbar mit Kontoeröffnung oder Kreditaufnahme bei einer Onlinebank. Im Gegensatz zur Riester Rentenversicherung fallen beim Riester Banksparplan keine Abschlussgebühren an.

Wohn Riester ist eine dritte Möglichkeit, die seit Ende der 2000er Jahre angeboten wird. Die staatliche Riester-Förderung wird zur günstigen, in dem Sinne staatlich geförderten Schaffung von Wohneigentum genutzt. Eine andere Bezeichnung von Wohn-Riester ist die Eigenheimrente. Durch das Einbeziehen der staatlichen Riester-Förderung in den Hausbau, die Finanzierung der Eigentumswohnung oder in die Anschlussfinanzierung wird der eigentliche Vorteil des Riesterns schon in der Bau-/Kaufphase und nicht erst im späteren Rentenalter genutzt. Seit dem Jahre 2014 können darüber hinaus auch schon in der Riester-Ansparphase Teilbeträge entnommen werden, zum Beispiel für Sondertilgungen des Baudarlehens. Eine Mindestansparsumme von 3.000 EUR darf jedoch nicht unterschritten werden. Die mit Wohn-Riester finanzierte Immobilie muss selbstgenutzt, sie darf nicht als Kapitalanlage vermietet werden. Darüber hinaus lässt sich das Guthaben von Wohn-Riester dazu verwenden, um eine altersgerechte oder barrierefreie Modernisierung des Eigenheims zu finanzieren. Die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die WIKR aus März 2016 erweist sich in dieser Lebenssituation als zunehmend problematisch für den Rentner.

Und so funktioniert Riester

Das Salz in der Suppe ist bei jedem Riester-Vertrag die staatliche Förderung. Sie ergänzt on top die eigene Sparsumme, die Monat für Monat für die private Altersvorsorge zurückgelegt wird. Hinzukommen weitere steuerliche Vergünstigungen, die bei der jährlichen Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Sie reduzieren das steuerpflichtige Einkommen und somit auch die tatsächliche Steuerlast. Die jährliche Grundzulage je Riester-Rentenvertrag beträgt 154 EUR. Sie erhöht sich für jedes kindergeldberechtigte Kind. Ist es vor Januar 2008 geboren um 185 EUR, für alle danach geborenen Kinder um 300 EUR. Die staatliche Förderung wird nicht an den Sparer ausgezahlt, sondern seinem Riester-Rentenkonto gutgeschrieben. Für die genaue Berechnung der jährlichen Förderung bietet sich die Nutzung eines Riester-Förderrechners an. Vom Riester-Sparer wird erwartet, dass er einen Mindestbeitrag zahlt, um die staatliche Förderung zu erhalten. Er beträgt vier Prozent des Vorjahreseinkommens, höchstens jedoch 2.100 EUR. Beitragszahlungen, also das Riestern bis zu diesem jährlichen Höchstbetrag, ist als Sonderausgabe steuerlich begünstigt. In der Summe enthalten sind sowohl die angesparte Summe als auch die erhaltene staatliche Zulage.

Zuständig für die Riester-Förderung ist die ZfA, Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen in der Gemeinde Brandenburg an der Havel. Die ZfA gehört zur DRV, der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die Antragsformulare stellt der Riester-Vertragspartner zur Verfügung. Jeweils jährlich im Nachhinein erteilt die ZfA eine Bescheinigung über die Summe von Beitragszahlung und staatlicher Zulage. Sie ist der Beleg für die Jahressteuererklärung zur steuerlichen Geltendmachung. Der Riester-Sparer sollte den jährlichen Riester-Beitrag immer seiner aktuellen Einkommenssituation anpassen, und zwar sowohl nach oben als auch nach unten.

Mit 60plus die Riester Rente genießen

Ausgezahlt wird die private Rente frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres. Für die ab dem Jahr 2012 abgeschlossenen Verträge gilt anstelle dessen das 62. Lebensjahr. Ab dann ist die Riester-Rente eine lebenslange Rente. Die Alternative dazu sind Riester-Verträge, die sofort nach Ende der Sparphase in Höhe von bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals ausgezahlt werden. Riestern lässt beiden Seiten, also Anbieter und Versichertem, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Zu denen gehört der Hinterbliebenenschutz. Verstirbt der Vertragsnehmer in der Ansparzeit, kann der von ihm benannte Bezugsberechtigte das bis dahin angesparte Versorgungskapital ausgezahlt bekommen. Ein weiteres Plus der Riester-Rente ist der Schutz des angesparten Kapitals bei einer Privatinsolvenz sowie beim Bezug von Hartz IV. In beiden Fällen bleibt diese bis dahin angesparte private Altersvorsorge dem Betroffenen erhalten.

Die private Riester-Rente in aller Kürze

• Anspruchsberechtigt sind alle rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, Beamte, die in der Künstlersozialkasse KSK versicherten Künstler, Auszubildende sowie weitere unselbstständige Berufsgruppen

• Die staatliche Riester-Förderung besteht aus den beiden Bereichen geldliche Zulage sowie Steuervergünstigung

• Der Riester-Sparer kann unter der Rentenversicherung, dem Banksparplan sowie dem Wohn-Riester auswählen

• Angeboten wird die Riester-Rente von Banken, Sparkassen, Versicherungen und Finanzdienstleistern

• Die Riester-Rente selbst ist ein steuerpflichtiges Renteneinkommen, sie wird bei der Berechnung von Kranken- und Pflegeversicherung mitberücksichtigt

veröffentlicht von Simon

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