Die Deutsche Börse ist nach einem der turbulentesten Jahre der Firmengeschichte im Umbruch. Bei den Aktionären indes dürfte 2017 noch nicht abgehakt sein.

Hinter der Deutschen Börse liegt ein unruhiges Jahr. Erneut scheiterte der Versuch einer Großfusion. Und an der Konzernspitze gab es schneller einen Wechsel als geplant. Ein Rückblick:

FUSIONSPLEITE: «Gottgewollt» sei der Zusammenschluss der Frankfurter Börse mit der London Stock Exchange (LSE), meint der damalige Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter. Ohne starken Partner drohe der Finanzplatz Frankfurt, von der US-Konkurrenz überrannt zu werden. Doch aus der Vision von der Weltspitze wird nichts. Der Brexit erschwert das Milliardenvorhaben ohnehin, Brüsseler Wettbewerbshüter versetzen Kengeters Prestigeprojekt Ende März den Todesstoß.

INSIDERVORWÜRFE: Für Kengeter kommt es noch dicker: Am 1. Februar 2017 durchsuchen Staatsanwälte sein Büro in der Börsenzentrale in Eschborn und seine Frankfurter Privatwohnung. Der Vorwurf: Insiderhandel. Mitte Dezember 2015 hatte Kengeter im Rahmen eines für ihn maßgeschneiderten Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft. Sein Arbeitgeber packte 69 000 Anteilsscheine obendrauf. Zehn Wochen später, am 23. Februar 2016, machen Deutsche Börse und LSE Fusionsgespräche öffentlich, was die Aktienkurse trieb. Tätigte Kengeter den lukrativen Aktiendeal im Wissen um die konkreter werdenden Fusionspläne? Auch wenn bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung gilt: Die Affäre beschädigt das Image Kengeters und der Deutschen Börse erheblich.

CHEFWECHSEL: «Insiderhandel widerspricht allem, wofür ich stehe», verteidigt sich Kengeter kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Später sagt er: «Ich glaube, wenn ein Angebot des Aufsichtsrats erfolgt, ist man in einer moralischen Pflicht, ein solches auch anzunehmen.» Als jedoch im Oktober eine Frankfurter Amtsrichterin die Hoffnung in der Eschborner Konzernzentrale zunichtemacht, das Verfahren könnte gegen Geldauflage eingestellt werden, wird die Luft für Kengeter dünn. Wenige Tage später ist sein Rücktritt zum Jahresende 2017 beschlossene Sache. Mitte November ist ein Nachfolger gefunden: Der bisherige Vorstandsvorsitzende der Hypovereinsbank (HVB), Theodor Weimer, übernimmt zum 1. Januar 2018.

veröffentlicht von Redaktion

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