Hinter Emmanuel Macron liegt ein außergewöhnliches Jahr: Quasi aus dem Nichts stieg der Ex-Minister zum französischen Staatspräsidenten auf. Nun muss er Reformen durchsetzen. Für eine Neuaufstellung Europas ist er auf Kanzlerin Merkel angewiesen.

Emmanuel Macron vermittelt in der Libanon-Krise, veranstaltet einen Klimagipfel mit 4000 Teilnehmern, spricht vor der Trauerfeier für Rockstar Johnny Hallyday und telefoniert nachts mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump. «Frankreich ist wieder da» – so oder ähnlich lautet das Motto.

Der jüngste französische Staatspräsident aller Zeiten tritt bei vielen Anlässen auf, reist häufig ins Ausland, regiert straff von oben und lässt die Minister der Mitte-Regierung dabei recht blass aussehen. Mitarbeiter wirken mitunter müde, manche haben tiefe Ringe unter den Augen. «Emmanuel Macron ist überall und beschäftigt sich mit allem», resümierte die angesehene Zeitung «Le Monde». An diesem Donnerstag (21. Dezember) feiert der Politjungstar seinen 40. Geburtstag.

Macron kam vor gut sieben Monaten an die Macht, setzte sich in der Endrunde gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durch. Der von Enthüllungen und Skandalen erschütterte Präsidentenwahlkampf sorgte in ganz Europa für Unruhe. Denn Le Pen propagierte nicht Geringeres als den Euro-Austritt ihres Landes. Macron hielt mit geballten Fäusten und harter Sprache dagegen und bezeichnete die Tochter von FN-Gründer Jean-Marie Le Pen sogar einmal als «Parasit» – sie lebe von dem System, das sie kritisiere.

Einige dachten, der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker würde in den historischen Salons seines schicken Amtssitzes einen Gang zurückschalten. Das Gegenteil ist der Fall. Der Absolvent der Elitehochschule ENA und Gründer der Partei La République en Marche setzt mit großer Energie sein Wahlprogramm in die Tat um und scheut dabei keinen Konflikt.

«Ich mache das, was ich sage», lautet sein Credo. Reformgegner heißen bei ihm schon mal «Müßiggänger», und im Zusammenhang mit Demonstranten fällt einmal der richtig derbe Ausdruck «foutre le bordel», was man mit «einen Saustall hinterlassen» übersetzen kann.

Die versprochene Lockerung des Arbeitsrechts kam im Herbst in trockene Tücher, eine bequeme Parlamentsmehrheit half dem Senkrechtstarter dabei. Beobachter meinen, die für 2018/19 angekündigte Rentenreform werde ein viel dickerer Brocken sein, da sie das Herz des französischen Sozialsystems berühre.

«Präsident der Reichen» – diesen wenig schmeichelhaften Titel konnte der wendige Staatschef bisher nicht so richtig abschütteln. Er habe es bisher nicht geschafft, «auf das Bedürfnis nach Schutz und Gerechtigkeit einzugehen», das viele Franzosen äußerten, bilanziert der Generaldirektor des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, Brice Teinturier, in «Le Monde». Ipsos und andere Institute bescheinigten Macron zuletzt aber steigende Umfragewerte, nachdem sie im Sommer abgestürzt waren.

In Frankreich hat Macron weitgehend freie Bahn, da die Lager der politische Linken und Rechten im Umbruch sind und eine für ihn gefährliche Opposition fehlt. Rivalin Le Pen ist mit Grabenkämpfen ihrer Partei beschäftigt. In Europa ist es allerdings viel schwieriger, Tempo zu machen. Macron dringt vor den Europawahlen im Frühjahr 2019 auf Reformen.

Doch aus Berlin fehlen wegen der Regierungsfindung verbindliche Antworten auf seine Vorschläge wie einen Eurozonenhaushalt oder eine europäische Interventionstruppe. Der sozialliberale Toppolitiker setzt darauf, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) seine Ansprechpartnerin bleibt und bis März mit der SPD eine Regierung bilden wird.

Gerade in Deutschland gibt es viel Zutrauen, und im Mai kommenden Jahres wird Macron in Aachen den prestigeträchtigen Karlspreis entgegennehmen. «Macron steht für einen weitreichenden Umbau des politischen Systems und eine wirtschaftliche Erneuerung in Frankreich», sagte der deutsche Botschafter in Frankreich, Nikolaus Meyer-Landrut, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben großes Interesse daran, dass er das schafft.»

Zumindest eine Konstante der Macron-Amtszeit lässt sich bereits erkennen. Er macht so ziemlich alles anders als sein politischer Ziehvater und Amtsvorgänger François Hollande. Dieser bekannte einmal: «Es ist unmöglich, ein Privatleben im Élyséepalast zu haben.» Hollande lebte am Ende seiner Amtszeit tatsächlich alleine dort.

Macron wohnt hingegen mit seiner deutlich älteren Frau Brigitte (64) im «Château» (Schloss), wie die stattliche Machtzentrale im Mitarbeiterjargon heißt. Und der aus dem Tierheim stammende Präsidentenhund Nemo wirbelt gelegentlich das starre Protokoll durcheinander.

Der Präsident feierte laut Medien am Wochenende schon einmal in der Nähe des Loire-Schlosses Chambord seinen Geburtstag vor und besuchte im Zoo Beauval einen kleinen Pandabären, dessen Patin seine Frau ist. Am Donnerstag ist dem Vernehmen nach zunächst keine größere Feier geplant. Direkt danach soll es nach Westafrika gehen, zum Weihnachtsbesuch dort stationierter Truppen.

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veröffentlicht von Redaktion

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