Die Europäer haben es zurzeit nicht leicht: Mit Trump ist es schwer, mit Putin auch. Nach Kanzlerin Merkel versucht Frankreichs Präsident Macron sein Glück bei dem Russen. Dafür hat er sich mit russischer Kultur und Geschichte munitioniert.

Von Sebastian Kunigkeit und Friedemann Kohler, dpa

St. Petersburg (dpa) – Mein Schloss! Mein Tross! Meine Soldaten in Paradeuniform! Wladimir Putin und Emmanuel Macron sind Präsidenten, die gern mit dem prächtigen monarchischen Erbe ihrer Länder Politik machen. Als der russische Staatschef seinen Kollegen aus Frankreich empfing, führte er ihm als erstes den Glanz der alten Zarenstadt St. Petersburg vor. Vom Konstantinpalast, Putins offizieller Residenz in seiner Heimatstadt, schauten Macron und seine Frau Brigitte auf den barocken Park und die nahe Ostsee.

Letztes Jahr hatte Macron den Kremlchef mit dem Prunk von Sonnenkönig Ludwig XIV. im Schloss Versailles zu beeindrucken versucht. Doch Barockpaläste dieser Größe hat Putin gleich mehrere rund um seine Heimatstadt stehen. Zum Essen serviert er seinem Gast Russisches: Crepes mit schwarzem Kaviar, Filet vom Stör und Rentierfleisch.

Nach dem schlichter gehaltenen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Putin vergangene Woche setzte Macron die europäischen Versuche fort, ein neues Verhältnis zu Russland zu finden. Die Beziehungen zwischen der EU und Moskau sind gespannt, seit Russland sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt hat.

Der Doppelbesuch von Merkel und Macron in Russland ist auch ein Spiegelbild ihrer Reisen nach Washington, wo sie im April ebenfalls kurz nacheinander US-Präsident Donald Trump trafen. Putin, Trump – die Europäer müssen gleich mit zwei schwierigen Gesprächspartnern ihre Rolle in der sich rapide wandelnden Weltordnung finden.

Macron inszeniert sich außenpolitisch gern als Monsieur Klartext, der Meinungsverschiedenheiten offen anspricht – und trotzdem auch mit schwierigen Partnern eine Basis findet. Das war schon die Botschaft, als er Putin in Versailles empfing. Damals kritisierte er die russischen Medien Sputnik und RT als «Organe der Einflussnahme» und erklärte den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien zur roten Linie.

Macron ist überzeugt, dass man gegenüber Putin Stärke zeigen muss. «Wenn du schwach bist, nutzt er das», sagte er kürzlich dem US-Sender Fox News. «Und das ist in Ordnung, es ist ein Spiel.» Zugleich plädierte er in der französischen Wochenzeitung «Le Journal du Dimanche» für einen «strategischen und historischen Dialog» mit Putin: Er wolle Russland an Europa koppeln, so Macron.

Deshalb hob er in St. Petersburg hervor, dass Zar Peter der Große die Stadt als Russlands «Fenster nach Europa» gegründet habe. Er zitierte den Schriftsteller Fjodor Dostojewski und sagte: «Ich bin überzeugt, dass unsere zwei Länder dazu berufen sind und ein Interesse daran haben (…), ein echtes Terrain der Verständigung für alle europäischen Widersprüche zu schaffen.» In der Pressekonferenz mit Putin sprach er den Fall des Regisseurs Kirill Serebrennikow an, den die russische Justiz unter Hausarrest gestellt hat.

Und er sagte zum Kremlchef: «Ich erwarte von Russland, dass es unsere Souveränität und die unserer europäischen Partner respektiert.» So viel zu Moskaus Einmischungsversuchen in die europäische Politik.

In der Tat gibt es viele Meinungsverschiedenheiten. Der syrische Bürgerkrieg, in dem Russland seine Hand über Präsident Baschar al-Assad hält. Die französische Beteiligung an den westlichen Luftangriffen in dem Bürgerkriegsland. Das Nervengift-Attentat auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien. Der blutige Dauer-Konflikt in der Ostukraine. Eine kleine Annäherung gab es immerhin zu Syrien: Russland und Frankreich wollen sich künftig enger abstimmen, wie beide Präsidenten betonten.

veröffentlicht von Redaktion

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