Von Arbeit muss man leben können. Eine Million Aufstocker können das seit Jahren im reichen Deutschland nicht, kritisiert die Linke.

Trotz Rekordbeschäftigung ist die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker seit Jahren unverändert hoch – für die Linke eine verdeckte Subventionierung von Lohndumping. «Milliardenbeträge aus Steuermitteln werden aufgewendet, um nicht existenzsichernde Arbeit aufzustocken», sagte die Vizevorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, der dpa. «Die Gesellschaft subventioniert so seit vielen Jahren Arbeitgeber, die Niedriglöhne zahlen oder ihren Beschäftigten nur Arbeitsverhältnisse in Teilzeit oder Minijobs anbieten, obwohl viele gerne länger arbeiten würden.»

Nach Zimmermanns Berechnungen, die auf der jüngsten Statistik der Bundesagentur für Arbeit basieren, wurden in den vergangenen zehn Jahren (2007 bis 2016) fast 100 Milliarden Euro (97,3 Milliarden Euro) an Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem abhängigen Erwerbstätigen (Aufstocker) gezahlt. Im Jahr 2016 waren es knapp 9,9 Milliarden Euro, 2007 rund 9 Milliarden.

Die Zahl der Aufstocker bewegte sich in diesem Zeitraum im Schnitt bei rund einer Million Menschen. «Das ist eine verdeckte Subventionierung von Lohndumping, mit der die Bundesregierung prekäre Beschäftigung voran treibt und zementiert. Für die Beschäftigten, die aufstocken müssen, ist es entwürdigend, dass sie trotz Arbeit zum Sozialfall werden und sich dem Repressionssystem Hartz IV unterwerfen müssen, um zu überleben.» Zimmermann, die auch arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist, bekräftigte die Forderung ihrer Partei, den Mindestlohn ohne Ausnahmen auf 12 Euro zu erhöhen.

Nach einem Bericht der «Saarbrücker Zeitung» (Freitag) haben ältere Arbeitslose nach wie vor besonders schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt. Fast zwei Drittel aller erwerbslosen Hartz-IV-Empfänger über 55 Jahre seien bereits vier Jahre und länger auf Grundsicherung angewiesen. Dabei handele es sich Ende 2016 bundesweit um 184 337 Personen, rund 45 000 mehr als noch Ende 2010, schreibt das Blatt unter Berufung auf Zimmermann.

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veröffentlicht von Redaktion

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