In der deutschen Küchenmöbelindustrie herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Die Branche kämpft derzeit mit stagnierenden Umsätzen, während die Kapazitäten weiter ausgebaut werden. Nicht jeder Hersteller kann dem zunehmenden Druck standhalten.

Nur noch stagnierende Umsätze im Inland und ein Preiskampf in der Möbelbranche machen der deutschen Küchenmöbelindustrie zunehmend zu schaffen. «Es herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb», sagt Lucas Heumann, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Küchenmöbelindustrie. Während die Umsätze im laufenden Jahr stagnierten oder in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sogar leicht rückläufig gewesen seien, seien noch neue Produktionen aufgebaut worden. «Wir haben im Moment sicher Überkapazitäten», stellt Heumann fest.

Mit einem Anteil von rund 70 Prozent am Gesamtumsatz der Branche von rund 4,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist Ostwestfalen-Lippe das Zentrum der deutschen Küchenmöbelbranche. Erst auf dem zweiten Rang folgt Baden-Württemberg. Bundesweit produzieren 54 Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten Küchenmöbel. Während die Beschäftigtenzahl im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 16 200 Mitarbeiter gestiegen ist, war die Entwicklung bei der Zahl der Unternehmen in den vergangenen Jahren rückläufig. Ob es neben dem aktuellen Fall von Alno zu weiteren wirtschaftlichen Schieflagen in der Branche gekommen ist, ist jedoch unklar.

Angesichts der eher schwachen Entwicklung im Inlandsgeschäft gilt dabei der weiterhin gut laufende Export als wichtiger Erfolgsfaktor in der Branche. Dabei hatte auch das Management des angeschlagenen Küchenherstellers Alno im vergangenen Jahr angekündigt, unabhängiger vom «schwierigen deutschen Markt» werden zu wollen und von Erfolgen berichtet.

Derzeit wird mit einer Exportquote von 38,5 Prozent gut ein Drittel der deutschen Küchenmöbelproduktion vorwiegend ins benachbarte europäische Ausland geliefert. Als gute Kunden der deutschen Hersteller gelten aber auch Chinesen und US-Amerikaner, während das Geschäft mit Russland deutlich zurückgegangen ist.

Im Inland setzt ein anhaltender Preiskampf vor allem unter den großen Möbelhäusern auch die Margen der Hersteller unter Druck. Beim Kauf einer Küche sind nach Angaben von Handelsexperten auch schon mal Rabatte von 40, 50 und sogar bis zu 60 Prozent möglich, auch wenn Wettbewerbshüter vor Werbetricks warnen.

Während die Verbraucher nach Zahlen des Herstellerverbands im Möbelhaus durchschnittlich rund 5000 Euro in ihre neue Küchen investierten, seien es im Fachhandel rund 9000 Euro gewesen. Hinzu komme, dass der Nachholbedarf nach neuen Küchen geringer geworden sei, meinte Heumann.

Im harten Konkurrenzkampf der Branche seien zudem hohe Investitionen in immer neue Produktionsanlagen gefragt, die die Finanzkraft der Hersteller stark forderten. Die Küchenmöbelindustrie gilt mit einem Lohnkostenanteil von nur noch zehn Prozent als Vorreiter der Automatisierung in der Möbelbranche. Hersteller von anderen Möbeln kommen dagegen auf Lohnquoten von 30 bis 40 Prozent.

Wenn Ihnen der Beitrag gefällt: Teilen gefällt uns!

veröffentlicht von Redaktion

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.