Von Annette Birschel, dpa

Als Mr. Euro hat der Niederländer Jeroen Dijsselbloem eine steile internationale Karriere gemacht. Zuvor war der studierte Agrar-Ökonom ein unauffälliger Abgeordneter der Sozialdemokratischen Partei in Den Haag. Am Mittwoch kündigte er seinen Abschied aus der Politik an. Den Vorsitz der Euro-Gruppe will er im Januar turnusmäßig abgeben.

Seit 2000 gehörte der 51-Jährige dem Parlament an und war zunächst Experte für Bildung, Integration und Ausländerpolitik. Der schlanke Politiker aus Eindhoven machte etwa von sich reden durch sein Engagement gegen gewaltorientierte Computerspiele.

In der Großen Koalition mit der rechtsliberalen VVD wurde er 2012 Finanzminister in der schwersten Wirtschaftskrise des Landes. Nur wenige Monate später übernahm er auch den Vorsitz der Euro-Gruppe. «Das wird harte Arbeit», sagte der zweifache Vater und Hobby-Gärtner.

Nach anfänglichen Fehlern gewann der neue Mr. Euro Respekt. Er leite die Sitzungen effizient, sei sehr gut vorbereitet, pragmatisch und ein guter Zuhörer, bescheinigten ihm Diplomaten. Seine nüchterne Gelassenheit zahlte sich vor allem aus, als die Temperamente während der Griechenland-Krise aufeinander prallten.

Dijsselbloem war gerade für Griechenland der Repräsentant der verhassten strengen Sparauflagen. Im Frühjahr 2017 verursachte er einen Eklat mit einer Bemerkung in einem Interview über Länder, die ihr Geld für «Schnaps und Frauen» verprassten. Die Wut vor allem in Südeuropa war groß. Beschimpfungen wie «Frauenhasser» und «Rassist» trafen ihn hart.

Seine Landsleute schätzen ihn, weil er über einen rigorosen Sparkurs die Finanzen in Ordnung brachte. Doch seine Partei erlebte bei der Wahl im März ein Debakel und sackte von 38 auf neun Sitze. Jetzt kann er, so schreibt er, das «innere Feuer» nicht mehr aufbringen, um sich in der Opposition voll für seine Partei einzusetzen.

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