Die Windenergie hat Arbeitsplätze in ganz Deutschland geschaffen, vor allem an der Küste. Doch nun gerät der Aufschwung der Branche ins Stocken. Die IG Metall ist alarmiert.

Die schwierige Lage in der Windindustrie wird sich nach den Erwartungen der IG Metall fortsetzen, wenn nicht politisch gegengesteuert wird. «Wirtschaftsminister Altmaier darf sich nicht länger gegen die im Koalitionsvertrag angekündigten Sonderausschreibungen von vier Gigawatt an Land und den nicht näher ausgeführten Sonderbeitrag der Offshore-Windenergie sperren», forderte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, am Donnerstag in Hamburg. «So gefährdet er weitere Investitionen, Standorte und Arbeitsplätze in der Zukunftsbranche Wind.»

Der Ausbau der Windenergie an Land und auf See ist ins Stocken gekommen, nachdem im Erneuerbare-Energien-Gesetz Ausschreibungen eingeführt wurden, die gleichzeitig begrenzt sind. Ziel war es, die Kosten der Windkraftanlagen zu senken und damit den Anstieg der Strompreise zu stoppen. Das wurde auch erreicht; Strom aus Windkraft ist an vielen Standorten kaum mehr teurer als aus anderen Energiequellen.

Die Hersteller von Windkraftwerken sehen den deutschen Markt seitdem eher skeptisch und orientieren sich auf die Auslandsmärkte. Die Koalitionsparteien hatten in ihrem Vertrag festgehalten, dass bis 2030 mindestens 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen soll. Dazu sollte die Windenergie wieder stärker ausgebaut werden. Schritte zur Umsetzung dieser Beschlüsse fehlen bislang jedoch.

Bei einer Umfrage unter Betriebsräten der Branche erwarten 65 Prozent eine negative Marktentwicklung, berichtete die IG Metall Küste. Außer im Bereich Service und Wartung sei die Auftragsentwicklung überall rückläufig. «Die neuen Ausschreibungen für den Bau von Windparks haben zu einem enormen Kostendruck geführt», sagte Geiken. Die Folgen für die Mitarbeiter seien dramatisch. Seit Anfang des vergangenen Jahres seien bereits mehr als 2000 Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen. So wurden Werke wie Senvion in Husum, Powerblades in Bremerhaven oder Carbon Rotec in Lemwerder geschlossen.

Rund 40 Prozent der befragten Betriebsräte aus der Windenergie nehmen an, dass sich dieser Trend fortsetzt. «Durch den Kahlschlag in einigen Unternehmen verliert die Branche wichtiges Know-how und damit ihren Vorteil im internationalen Wettbewerb», sagte Geiken. Rückenwind erhielt die IG Metall Küste von der Partei der Linken. «Schlecht gemachte Regelungen verunsichern die Branche weiter massiv, nicht nur im Norden, sondern im ganzen Land», sagte der Abgeordnete Lorenz Gösta Beutin aus dem Kreis Plön. «Zwei Jahre nach Einführung des Ausschreibungssystems weht heute ein zunehmend rauer Wind in den Betrieben.»

veröffentlicht von Redaktion

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