Vor dem Staatsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Griechenland hat der Linken-Politiker Gregor Gysi Verständnis für finanzielle Forderungen Athens geäußert. «Mir liegt ein bisschen auf der Seele, dass das damals besetzte Griechenland vom Nazi-Regime zur Zahlung eines Zwangskredits verpflichtet wurde», sagte der Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. «Meines Erachtens ist die Bundesrepublik für dieses Darlehen immer noch haftbar.»

Die entscheidende Frage sei die Höhe der Zinsen, sagte Gysi weiter. «Die Bundesregierung sollte aus rechtlichen, politischen und moralischen Gründen sagen, wir zahlen das Darlehen zurück und bieten Verhandlungen über die Zinsen an.» Nach griechischen Angaben würde sich der zu zahlende Betrag auf etwa zehn Milliarden Euro belaufen.

Gysi begleitet Steinmeier bei dem Staatsbesuch. Der Bundespräsident besucht am Donnerstag das ehemalige Konzentrationslager Chaidari bei Athen und führt Gespräche mit dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos und mit Ministerpräsident Alexis Tsipras. Gysi sagte: «Ich wäre dem Bundespräsidenten sehr dankbar, wenn er ein Zeichen setzt, dass wir die Spannungen aus der Euro-Krise zwischen beiden Ländern überwinden wollen.»

Die Bundesregierung vertritt den Standpunkt, dass Griechenland völkerrechtlich keinen Anspruch auf Entschädigungszahlungen für die Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg mehr besitzt. In Griechenland, wo im nächsten Jahr gewählt wird, ist das Thema unverändert brisant und dürfte auch bei Steinmeiers Besuch eine Rolle spielen.

veröffentlicht von Redaktion

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