Zum Auftakt des G20-Gipfels in Hamburg appelliert Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Kompromissbereitschaft ihrer Gäste. Der Besucher, auf den in Hamburg alle mit besonders großer Aufmerksamkeit blicken, gilt allerdings nicht als besonders kompromissbereit: US-Präsident Donald Trump scheut den Streit ganz gewiss nicht, wie er auch am ersten Gipfeltag in Hamburg unter Beweis stellt. Konflikte mit Trump sind befürchtet worden – Krawalle von Demonstranten ebenso. Beides bewahrheitet sich. In einem anderen Streitpunkt gibt es allerdings eine positive Überraschung.

PROTESTE:

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot von zunächst 19 000 Beamten im Einsatz. Die Krawalle sind aber so heftig, dass das nicht ausreicht: Verstärkung aus anderen Bundesländern muss angefordert werden. Demonstranten versuchen, zu dem abgeriegelten Gipfelgelände in den Messehallen im Zentrum der Hansestadt vorzudringen. Der Polizei gelingt es nur mit Mühe, die Proteste fernzuhalten. Die Gewalt entlädt sich andernorts. Menschen werden verletzt, Autos gehen in Flammen auf. Dutzende Demonstranten werden festgenommen.

RAHMENPROGRAMM:

Die Partner der Staats- und Regierungschefs dürften sich ihren Besuch in Hamburg anders vorgestellt haben. Besonders gilt das für Trump-Ehefrau Melania: Demonstranten hindern sie daran, das Gästehauses des Senats zu verlassen. Auch die anderen Partner sind durch die Krawalle betroffen: Das Rahmenprogramm muss wegen der Gewalt in der Hansestadt abgeändert werden.

KULTUR:

Demonstranten versuchen zu Land und zu Wasser, zur Elbphilharmonie vorzudringen. Die Polizei kann sie mit Wasserwerfern davon abhalten. In der Elbphilharmonie wird den Staats- und Regierungschefs und deren Partnern am Abend Beethovens 9. Sinfonie gespielt, das Hauptthema des letzten Satzes ist die Hymne der Europäischen Union. Merkel hatte sich das Stück gewünscht. Die Zeile «Alle Menschen werden Brüder!» gilt als Bekenntnis zur Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

GIPFELPOLITIK:

Trumps Abschottungspolitik beim Welthandel sorgt erwartungsgemäß für Ärger beim G20-Gipfel. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker droht dem US-Präsidenten sofortige Sanktionen an, sollte dieser den US-Stahlmarkt für europäische Unternehmen abriegeln. «Wir sind in gehobener Kampfesstimmung», sagt Juncker. Gastgeberin Merkel ist beim Thema Welthandel diplomatischer, räumt aber auch ein: «Hier sind die Diskussionen sehr schwierig. Da will ich gar nicht drumrum reden.» Dasselbe gilt für die Klimapolitik – auch da blockiert Trump.

SYRIEN:

Mit besonderer Spannung ist das Treffen zwischen Trump und Putin erwartet worden – das erste der beiden Präsidenten überhaupt. Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind schlecht. Umso mehr überrascht die Knaller-Nachricht, die US-Außenminister Rex Tillerson nach dem Gespräch verkündet: Ausgerechnet beim Thema Syrien – bei dem die USA und Russland entgegengesetzte Positionen vertreten – haben sich die beiden Weltmächte auf eine Waffenruhe für einen Teil des seit Jahren vom Bürgerkrieg geplagten Landes geeinigt.

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veröffentlicht von Redaktion

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