Nach Jahren im Krisenmodus wollen Europas Währungshüter zurück zur Normalität. Seit Juni ist der Ausstieg aus der Geldflut vorgezeichnet, nun wird vom EZB-Rat der formale Beschluss erwartet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte an diesem Donnerstag den nächsten Schritt zur Normalisierung ihrer Geldpolitik machen. Volkswirte erwarten, dass die Währungshüter ihren Ankündigungen aus dem Juni Taten folgen lassen und das Volumen der umstrittenen Anleihenkäufe von Oktober an auf 15 Milliarden Euro pro Monat halbieren werden.

Ein Ende des – vor allem in Deutschland – umstrittenen Programms zum Erwerb von Staats- und Unternehmensanleihen peilt die Notenbank zum Jahresende 2018 an. Die Ergebnisse der Sitzung des EZB-Rates werden am frühen Donnerstagnachmittag (13.45 Uhr) veröffentlicht.

Allerdings beendet die EZB ihren Anti-Krisen-Kurs nur vorsichtig. Die Phase ultraniedriger Zinsen soll «mindestens über den Sommer 2019» andauern – so lautet die aktuelle Sprachregelung des EZB-Rates. Daran dürfte sich nach Einschätzung von Volkswirten auch nichts ändern, wenn das höchste Entscheidungsgremium der EZB am Donnerstag in Frankfurt berät.

Ökonomen rechnen damit, dass die EZB im Herbst 2019 zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern wird. Sparer dürften auf eine erste Zinserhöhung noch länger warten müssen. Andererseits profitieren Kreditnehmer somit weiterhin von relativ guten Konditionen. Aktuell liegt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Geschäftsbanken müssen zudem 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

An den Anleihenmärkten wird die EZB auch dann noch ein gewichtiger Marktteilnehmer bleiben, wenn sie keine neuen Papiere mehr erwirbt: Gelder aus auslaufenden Anleihen will die Zentralbank wieder investieren. Seit Beginn des Programms im März 2015 bis Ende August 2018 hat die EZB Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,5 Billionen Euro gekauft.

Ziel ist, auf diesem Weg der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Firmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das könnte die Konjunktur abwürgen.

Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach Zahlen des Statistikamtes Eurostat um 2,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Die EZB legt an diesem Donnerstag ihre neuesten Prognosen zur Entwicklung von Inflation und Konjunktur im Euroraum vor. Globale Handelsstreitigkeiten haben die Risiken für die Konjunktur in den vergangenen Monaten wieder zunehmen lassen.

veröffentlicht von Redaktion

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.