Das Carsharing erfreut sich in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. So gibt es inzwischen rund 150 unterschiedliche Anbieter, die in knapp 600 Städten und Gemeinden aktiv sind. Zusammen bringen sie mehr als 17.200 Fahrzeuge auf die Straße. Auch bei den Nutzern ist die Entwicklung seit vielen Jahren positiv: Inzwischen haben sich mehr als 1,7 Millionen Leute bei den verschiedenen Anbietern registriert. Experten gehen zudem davon aus, dass das Wachstum auch in den nächsten Jahren anhalten wird. Immerhin können die Anbieter auch auf die Unterstützung der Politik zählen. Dort erhofft man sich durch den Ausbau der Angebote, die Zahl der Fahrzeuge in den Innenstädten reduzieren zu können.

Free Floating versus stationsbasierte Angebote

Grundsätzlich lassen sich in Sachen Carsharing zwei verschieden Ansätze unterscheiden.

1. Stationsbasierte Angebote: Bei dieser Variante befinden sich die Autos in einer festen Station und müssen an einer solchen auch wieder abgegeben werden. Zu Jahresbeginn waren bei den entsprechenden Anbietern 455.000 Menschen angemeldet, die insgesamt 9.400 Fahrzeuge nutzen konnten.

2. Free Floating Angebote: Wie der Name es bereits andeutet, können die Fahrzeuge bei diesem System innerhalb eines festgelegten Territoriums überall angemietet und wieder abgestellt werden. Wer ein freies Fahrzeug sucht, kann dafür einfach die entsprechende App nutzen. Diese Angebote werden deutschlandweit von 1.260.000 Kunden genutzt.

Carsharing expandiert in die Fläche

Zu Beginn dieses Jahres war ein Carsharing-Angebot in 597 Orten verfügbar – und damit an sechzig mehr als ein Jahr zuvor. Dieses Wachstum ist aber fast vollständig auf die stationsbasierten Systeme zurückzuführen. Der Free Floating Ansatz rentiert sich hingegen eher in den größten Städten des Landes, die inzwischen alle mit einem oder sogar mehreren Anbietern abgedeckt sind. Dementsprechend unterscheidet sich auch das Fahrverhalten: Weil bei stationsbasierten Angeboten oftmals auch längere Strecken gefahren werden, können sich im Schnitt lediglich 48,4 Kunden ein Fahrzeug teilen. Bei Free Floating Anbietern liegt dieser Wert hingegen bei 172,8.

E-Mobilität und Carsharing

Die Anbieter sehen Carsharing als umweltfreundliche Alternative zum eigenen Auto. Wie die Umwelt- und Klimabilanz aber tatsächlich ausfällt, ist umstritten. Denn natürlich werden auch Nutzer angezogen, die ansonsten den ÖPNV oder das Fahrrad genutzt hätten. Deutlich besser fällt die Bilanz in jedem Fall aus, wenn Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen. Tatsächlich kann sich die Branche auf die Fahne schreiben, beim Thema E-Mobilität bereits einen höheren Anteil vorweisen zu können als der gesamte deutsche Automarkt. So wird deutschlandweit ein E-Auto-Anteil von gerade einmal 0,13 Prozent erreicht. Bei den Carsharing-Anbietern sind es hingegen 10,4 Prozent. Dass es nicht noch mehr sind, liegt vor allem an den hohen Anschaffungskosten.

Die sechs größten Carsharing-Anbieter in Deutschland:

1. Car2Go

Carsharing Car2go

car2go wächst 2016 im weltweiten Carsharing-Geschäft. ;
Bildquelle: Daimler AG

Hinter dem größten Anbieter Car2Go stehen zwei echte Schwergewichte: Der Autobauer Daimler und die Mietwagenfirma Europcar. In Deutschland betreiben die beiden Firmen mehr als 3.800 Fahrzeuge in sieben Städten. Die Zahl der Nutzer wird mit 700.000 angegeben. Der Name Car2Go ist aber nicht nur in Deutschland bekannt, sondern in insgesamt 26 europäischen Städten vertreten. Überall wird auf das Free Floating Konzept gesetzt – womit das Gemeinschaftsunternehmen der Weltmarktführer in diesem Bereich ist. Die Abrechnung der Fahrten erfolgt pro genutzter Minute.

2. Drive Now

Der größte Konkurrent von Car2Go ist DriveNow und besitzt interessanterweise eine ganz ähnliche Eigentümerstruktur: Der Anbieter ist ein Gemeinschaftsprojekt von BMW und Sixt. Inzwischen stehen für rund 660.000 Kunden in fünf deutschen Städten 3.100 Fahrzeuge zur Verfügung – die alle an beliebiger Stelle gemietet und wieder abgestellt werden können. Allerdings müssen die Fahrzeuge innerhalb der Stadt verbleiben. Eine Ausnahme gibt es aber: Köln und Düsseldorf liegen vergleichsweise nahe beieinander. Daher können Kunden die Autos – gegen einen Aufpreis – auch in der jeweils anderen Stadt abstellen. Die Abrechnung erfolgt auch bei DriveNow minutengenau und umfasst alle anfallenden Kosten.

3. Flinkster

Das flächenmäßig größte Carsharing-Netz wird von der Deutschen Bahn unter der Marke Flinkster betrieben. Insgesamt können die 315.000 registrierten Kunden 4.000 Fahrzeuge in 300 Städten buchen. Nicht alle davon gehören aber tatsächlich Flinkster, sondern das Unternehmen kooperiert auch mit kleineren Anbietern und vermittelt deren Fahrzeuge. Ein Teil der Flotte besteht zudem aus den sogenannten e-Flinkstern. Diese werden von einem Elektromotor angetrieben. In der Preisstruktur kann zudem zwischen einer deutschlandweiten Nutzung und einer städtebasierten Nutzung gewählt werden. Die Anmietung und die Abgabe erfolgt in der Regel an festen Stationen. Flinkster ist also der größte Anbieter im Bereich des stationsbasierten Carsharings.

4. Cambio

Bei der Marke Cambio handelt es sich um einen Zusammenschluss von regionalen Anbietern, die zuvor nur in jeweils einer Stadt aktiv waren. Heute können die 57.000 Kunden so in 21 Städten 1280 Autos mieten. Bereits sehr früh hat sich der Anbieter als besonders klimafreundlich positioniert. So besteht die Flotte nicht nur zum Teil aus Elektroautos. Cambio hat sich auch dem “Cleaner Car Contract” angeschlossen und schafft daher seit einigen Jahren nur noch Fahrzeuge an, die im Schnitt weniger als 105 Gramm CO2 pro Kilometer verursachen. Die Abrechnung für den Kunden erfolgt aufgrund der Nutzungsdauer und der gefahrenen Kilometer.

5. Stadtmobil

Auch Stadtmobil ist grundsätzlich nur eine Plattform, die verschiedene lokale Angebote miteinander kombiniert. Nutzen tun dies 52.000 Kunden in 100 Städten. Grundsätzlich verfolgt der Zusammenschluss einen stationsbasierten Ansatz. Einige Mitgliedsfirmen haben aber auch Free Floating Tarife im Angebot. Teil von Stadtmobil ist auch die cantamen GmbH. Diese hat die gemeinsame Software entwickelt, die inzwischen auch an 26 andere Anbieter in ganz Europa verkauft wurde. Kunden von Stadtmobil können sich in einer Stadt anmelden – erhalten dann aber in allen anderen Städten den gleichen Tarif. Ein Teil der Flotte besteht zudem aus Elektro- und Hybridfahrzeugen.

6. teilAuto

Der sechstgröße deutsche Anbieter teilAuto wurde ursprünglich als ökologisch orientierter Verein in Halle (Saale) gegründet. Damals ging es zunächst nur darum, einen Škoda Favorit gemeinsam zu nutzen. Inzwischen wurde das Angebot aber in eine GmbH überführt und hat 26.000 Kunden in 16 Städten. Der Betrieb ist stationsbasiert organisiert. Neben kleinen Autos für den Stadtverkehr werden auch Transporter für Umzüge vermietet. Es existiert zudem eine Kooperation mit dem Anbieter Flinkster. Kunden von teilAuto können somit im gesamten Bundesgebiet Autos anmieten.

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veröffentlicht von Jean-Pierre

4 Comments

  1. “Deutlich besser fällt die Bilanz in jedem Fall aus, wenn Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen”

    Unter derzeit realistischen Bedingungen emittieren Elektroautos also, durchweg Klein- und Kleinstwagen (selbst unter Einbeziehung des Atomanteils und ohne Berücksichtigung ungünstiger Bedingungen wie Kälte oder Klimaanlage) das Eineinhalbfache eines konventionellen vergleichbaren Verbrenners und das Doppelte eines Verbrenners mit fortschrittlicher (aber bereits existierender) Technik.

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  2. Airbnb für Autos - US-Platzhirsch nimmt deutschen Markt ins Visier - Die Wirtschaftsnews 19. Januar 2018 at 7:42

    […] Freitag versucht sich der US-Anbieter Turo in Deutschland. Haddad ist der Chef dieser Peer-to-Peer-Carsharing-Plattform, auf der Privatleute ihre Fahrzeuge tageweise an andere Privatleute vermieten können. Wer Airbnb […]

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  3. Klotzen statt kleckern - Carsharing-Fusion auf dem Prüfstand - Die Wirtschaftsnews 29. Januar 2018 at 7:12

    […] Carsharing ist eine Form der Autovermietung, bei der der Kunde einen Rahmenvertrag abschließt – danach kann er die Mietautos selbstständig abholen und nutzen, wann und so lange er will. In Deutschland gibt es annähernd 20 000 Carsharing-Autos in 600 Städten. Bei Anbietern wie stadtmobil oder teilAuto holt der Kunde dieses an einer Station ab. […]

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  4. […] kann und dies bei der Einkaufsfahrt mit dem Auto nicht möglich ist. Wenn man als Großstädter Carsharing nutzt, weiß man oft nicht so recht, ob sich die Fahrt zum Einkaufen überhaupt lohnt, da man ja […]

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