Die größten Arbeitgeber Deutschlands sind neben dem Bund, den Ländern und Kommunen die beiden großen christlichen Kirchen. Aber wie sieht es im privaten Sektor aus? In der Fußgängerzone befragt, tippen die meisten Passanten auf einen DAX-Riesen als Nummer eins. Dabei liegen in Wirklichkeit zwei Unternehmen vorne, die gar keine Aktien begeben, dafür aber anschaulich demonstrieren, dass viele kleine Unternehmer nur richtig kooperieren müssen, um zu einer Marktmacht zu werden.

Edeka-Verbund

Edeka

Bildquelle: defotoberg / Shutterstock.com

Die größte private Arbeitgeberin in Deutschland ist derzeit die Einkaufsgenossenschaft Edeka. Der Edeka-Verbund beschäftigt national etwa 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Edeka ist ein Zusammenschluss selbständiger Kaufleute, die enorme Marktmacht dadurch erlangen, dass Sie gegenüber ihren Kunden unter einer Marke auftreten und ein standardisiertes Sortiment anbieten, das aber dennoch jedes Mitglied der Genossenschaft auf die spezifischen Bedürfnisse seiner Kundinnen und Kunden zuschneiden kann. Gegenüber der Lebensmittelindustrie bündeln die Genossen ihre Nachfrage und treten unter dem Dach der Genossenschaft als eine einzige riesige Käuferin auf, die Konditionen durchsetzen kann, die der einzelne Kaufmann alleine niemals realisieren könnte. Die Edeka liegt auch bei Kundenbefragungen immer weit vorne und ist bei deutschen Konsumenten sehr beliebt. Von dem Pferdefleisch-Skandal, unter dem das gute Image zeitweise doch arg litt, hat sich das Unternehmen wieder erholt.

Volkswagen AG

Der Autobauer mit Sitz in Wolfsburg hat knapp 225.000 Beschäftigte und war lange Jahre auf ungebremsten Erfolgskurs. Als zweitgrößter Automobilhersteller weltweit wollte man sogar den Platzhirsch Toyota überrunden. Doch dann kamen die Mauscheleien bei der Abgasmessung bei Dieselfahrzeugen ans Tageslicht. Schnell wurde daraus der größte deutsche Compliance-Skandal nach Siemens. Der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der den Konzern lange Jahre erfolgreich geführt hatte, musste zurücktreten, Millionen Dieselfahrzeuge wurden zurückgerufen. Dass der Konzern an den finanziellen Belastungen, die aus dem Abgasskandal resultieren, zerbricht, steht wohl nicht mehr zu befürchten. Der Spitzenplatz ist für das Unternehmen aber seither weder auf dem Arbeitsmarkt, noch auf dem Markt für Kraftfahrzeuge in Reichweite.

REWE Group

Rewe Group

Bildquelle: REWE

Die Einkaufsgenossenschaft aus Köln praktiziert das gleiche Erfolgsprinzip wie ihre Erzrivalin Edeka. Für REWE arbeiten etwa 222.000 Frauen und Männer, international haben die Kölner die Nase vorn und beschäftigen etwa 320.000 Mitarbeiter. Außerhalb Deutschlands tritt REWE meist unter der Marke Billa auf. Der vormals österreichische Handelskonzern ist bereits 1996 übernommen worden. Mit ihren Billa-Märkten hat der REWE Konzern sich das Geschäft in Osteuropa erschlossen und ist sogar in Russland und der Ukraine tätig. Zum Erfolg der REWE-Group, die mit einem Jahresumsatz von etwa 50 Milliarden Euro größer ist, als so manches DAX-Unternehmen, trägt aber auch die Touristik-Sparte bei. Hierfür haben die Rheinländer scheinbar ein besonders glückliches Händchen. Mittlerweile ist die REWE Touristik, zu der bekannte Marken wie DERTOUR, ADAC-Reisen oder Meyers Weltreisen gehören, bereits die Nummer zwei hinter der Tui AG aus Hannover.

Deutsche Bahn

Deutsche Bahn

Bild: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

DB Station&Service: München Hbf – ankommen und abfahren – pulsierendes Leben im Bahnhof, Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

Auf Platz vier der größten deutschen Arbeitgeber hat es ein Staatsbetrieb geschafft, der aber in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt wird. Für die Deutsche Bahn arbeiten etwa 193.000 Menschen. Die Arbeitsbedingungen können nicht schlecht sein, wenn man bedenkt, wie unbeliebt das Unternehmen ist. In der öffentlichen Wahrnehmung kämpft die Deutsche Bahn regelmäßig mit einem anderen privatisierten Staatsbetrieb, der Deutschen Telekom, um die goldenen Zitrone für den schlechtesten Dienstleister der Republik. Beständig steigende Preise, die sich indirekt proportional zur Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge zu entwickeln scheinen, bringen das Unternehmen regelmäßig in Bedrängnis.

Daimler

Mercedes

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Der Autobauer aus Stuttgart zählt zu den bekanntesten und renommiertesten deutschen Unternehmen überhaupt. Der Mercedes-Stern ist ein globales Symbol deutscher Ingenieurskunst. Lange Zeit hatten die Autobauer aus dem Ländle auch eine blütenweiße Weste. Erste Kratzer im Lack zeigten sich, als der Konzern 2016 das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr seiner Geschichte feierte und kurz darauf bekannt wurde, dass das Unternehmen Leiharbeiter beschäftigt, die so schlecht bezahlt werden, dass sie mit Hartz IV aufstocken müssen. Angesichts des Rekordumsatzes von 153 Milliarden Euro war das peinlich, aber nicht illegal. Mitte 2017 wurde dann aber bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Daimler ermittelt. Der Auslöser waren, genau wie bei VW, manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen. Später kam außerdem heraus, dass der Konzern gemeinsam mit VW, Audi und Porsche ein Kartell gebildet und sich über Preise abgesprochen haben soll. Noch ermitteln die Kartellbehörden, da Daimler aber zwischenzeitlich Selbstanzeige erstattet hat, sind die Vorwürfe wohl nicht aus der Luft gegriffen. Anders als VW gehört die Daimler AG, die etwa 167.000 Mitarbeiter zählt, aber bei Universitätsabsolventen immer noch zu den beliebtesten Arbeitgeberinnen in Deutschland.

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Die fünf größten Arbeitgeber Deutschlands
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Die größten Arbeitgeberinnen Deutschlands sind neben dem Bund, den Ländern und Kommunen die beiden großen christlichen Kirchen. Aber wie sieht es im privaten Sektor aus?
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veröffentlicht von Juliane

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  1. […] gerufen werden, deren Arbeitsumfang zwischen 35 und 38 Stunden in der Woche lag. Zudem setzte die Gewerkschaft nach langen Tarifverhandlungen ein Recht auf einen sechswöchigen Jahresurlaub für Arbeiter und […]

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  2. […] dem Standort in Wörth hat die Daimler AG das größte LKW-Montagewerk der Welt geschaffen. Durchschnittlich verlassen pro Tag rund 400 […]

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  3. […] Daimler (seit dem 21. Dezember 1998) […]

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  4. Aufatmen bei Opel - Personalabbau so gut wie abgeschlossen - Die Wirtschaftsnews 31. Mai 2018 at 8:49

    […] der Arbeitgeber die Beschäftigung letztendlich sichert, ob mit ein, zwei oder drei Fahrzeugen, das ist uns egal», […]

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  5. […] Dienstes und den Kirchen keinen einzigen Angestellten, wenn es keine Selbstständigen gäbe. Selbst die größten Arbeitgeber der Nation mit Abertausenden Angestellten wurden vielfach von maximal einer Handvoll Mutiger […]

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  6. […] Dienstes und den Kirchen keinen einzigen Angestellten, wenn es keine Selbstständigen gäbe. Selbst die größten Arbeitgeber der Nation mit Abertausenden Angestellten wurden vielfach von maximal einer Handvoll Mutiger […]

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  7. […] die Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz sind ein Renner. DaimlerChrysler, das größte deutsche Industrieunternehmen, hat im Stuttgarter Vorort Untertürkheim seinen Sitz. Im 1923 eröffneten Automobilmuseum vom […]

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