Wer sich in Deutschland nach Textilunternehmen umsieht, wird schnell fündig. Viele namhafte Hersteller und Händler tummeln sich mittlerweile auf dem Aktienmarkt. Wobei man hier anmerken muss, dass es sich – mit Ausnahme von Adidas – fast nur um Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe handelt. Bisher konnte sich kein anderer Hersteller im DAX langfristig positionieren. Und ganz risikolos ist ein Investment in die Textilindustrie auch nicht. Das beste Beispiel dafür ist die Steilmann-Gruppe, die erst im Frühjahr dieses Jahres Insolvenz anmelden musste oder die Wöhrl Modemärkte die sich kürzlich unter einen Schutzschirm gerettet hatten und vor drei Wochen dann ebenfalls in die Insolvenz gerutscht sind. Allerdings ergeben sich in diesem Sektor auch interessante Möglichkeiten für Investoren. Die Aktienkurse einiger Unternehmen sind sehr niedrig und geben deshalb Raum für große Kursgewinne.

Adidas und Puma – Global Player auf dem Weg aus der Krise?

Die Adidas AG ist der größte Modehersteller in Deutschland. Wobei man hier auch beachten sollte, dass Adidas nur bedingt im Modebereich tätig ist, sondern mehr als Sportartikel- und Sportmodehersteller zu sehen ist. Adidas bedient also nur einen Teilbereich des Textil- und Modemarktes. Schon vor Jahrzehnten wurde Adidas gegründet und ist seit langem im größten deutschen Aktienindex DAX gelistet. Besonders mit der Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr konnte das Unternehmen große Umsätze generieren. Bisher haben die Anleger allerdings dieses Großevent nicht honoriert. Im Gegenteil sogar: Der Aktienkurs fiel in den letzten zwei Monaten von Ihrem Hoch bei ca. 160,00 Euro auf unter 140,00 Euro zurück. Dabei läuft gerade ein Aktienrückkaufprogramm und auch die vielen Analysten sehen beim Kurs noch Potenzial nach oben. Mit einem Börsenwert von ca. 28.600 Mio. Euro kann man hier relativ gefahrlos und günstig investieren, auch wenn der Sportbekleidungs- und -textilmarkt heiß umkämpft ist und größeres Risiko birgt.

Der kleine Bruder von Adidas ist Puma. Das Unternehmen ist direkter Konkurrent von Adidas und im selben Segment tätig. Für Puma gelten die gleichen Rahmenbedingungen. Die Puma SE ist allerdings nur im SDAX notiert. Jedoch wurde der Börsenkurs hier nicht so stark abgestraft. Dieser notiert momentan nahe seinem Dreijahreshoch von ca. 250,00 Euro bei knapp über 230,00 Euro. Analysten sehen hier weniger Kurspotential, sodass hier das Risiko für Investoren höher ist als beim großen Bruder.

Tom Tailor, Gerry Weber und Hugo Boss – Die großen deutschen Marken auf dem Prüfstand

Die drei Unternehmen sind durchaus miteinander vergleichbar, auch wenn die Zielgruppen nicht ganz identisch sind. Alle drei produzieren unter eigenen Marken Ihre Mode und bringen mehrmals im Jahr Kollektionen auf den deutschen und internationalen Markt. Dabei setzen die Unternehmen nicht nur auf eigene Läden, sondern auch auf das Shop-in-Shop Konzept und auf eigene Online-Shops. Auch Partnerschaften mit großen Handelsplattformen wurden geschlossen, sodass alle drei Unternehmen ihre Produkte auf verschiedenen Kanälen zum Kauf anbieten. Jedoch stecken diese Marken derzeit in größeren Krisen. Alle drei müssen sich gegen internationale Konkurrenz auf dem Markt erwehren, die ihre Kollektionen öfter austauschen, billiger anbieten und deswegen größeren Zulauf haben. Das liegt auch daran, dass bei den oben genannten Unternehmen veraltete Strukturen bestehen, die zuerst aufgebrochen werden müssen. Bei Konkurrenten wie Zalando, H&M, Zara und Co. bestehen dagegen moderne Handels- und Verwaltungsstrukturen, die nicht nur auf das Shopkonzept konzentriert sind, sondern auch die neuen Online-Möglichkeiten mit einbeziehen und auch mit ihrem Marketing den Nerv der Zeit besser treffen.

Für risikofreudige Investoren bieten sich hier jedoch großartige Chancen. Tom Tailor ist momentan für ca. 4,50 Euro pro Aktie zu haben, obwohl das Eigenkapital pro Anteil 2015 bei über 8,50 Euro lag. Der Aktienkurs hat sich bereits ein wenig erholt. Von knapp über 3,00 Euro stieg der Kurs innerhalb weniger Wochen um mehr als 30 Prozent und auch die Analysten sind auf Anlegerseite. Vorausgesagt werden Kurswerte von bis zu 9,00 Euro und damit 80 Prozent Kurspotenzial. Vor allem in jüngster Vergangenheit machte Tom Tailor Schlagzeilen durch Bekanntgabe einer großen Schließungswelle und damit verbundenen Entlassungen, sowie einer Kapitalerhöhung zusammen mit einem Großinvestor aus China.

Bei Gerry Weber sieht es da nicht viel anders aus. Von seinem Hoch bei 40,00 Euro ist der Aktienkurs weit entfernt und liegt derzeit bei ca. 11,00 Euro. Auch hier besteht ein größerer Abschlag zum Eigenkapital pro Anteil, das bei ca. 20,00 Euro liegt und deswegen reichlich Sicherheitspuffer gibt. Die Analysten sind hier jedoch etwas defensiver eingestellt. Sie schätzen nur moderate Kursgewinne. Das liegt durchaus auch an der Zielgruppe. Gerry Weber zielt mehr auf die – weniger online-affine – Zielgruppe 40+.

Dagegen ist Hugo Boss der Nobelhersteller unter den deutschen Modefirmen. Der Aktienkurs hat sich in letzter Zeit mehr als halbiert. Von ca. 120,00 Euro fiel der Kurs auf 50,00 Euro, was nur knapp über dem derzeitigen Eigenkapital je Aktie liegt. Es gibt also weniger Sicherheitspuffer, dafür größeres Kurspotenzial. Analysten erwarten Anstiege bis über 75,00 Euro und damit mehr als 50 Prozent. Mit einer Notierung im MDAX ist Hugo Boss auch der größte der drei großen deutschen Markenhersteller.

Auf große Dividendenrenditen sollten sich die Anleger in nächster Zeit bei allen dreien nicht einstellen, da das Geld zur Restrukturierung und Repositionierung genutzt werden soll. Aber es bestehen große Chancen, sollten die Restrukturierungsmaßnahmen greifen und demnächst auch wieder schwarze Zahlen geschrieben werden können.

Zalando und Adler – große Modehändler mit verschiedenen Konzepten.

Der Modehandel in Deutschland ist immer noch geprägt von mittelständischen Unternehmensgruppen, zum Großteil in Privatbesitz und von Einzelhandelsgeschäften, die – wenn überhaupt – nur regional Bekanntheit haben. Lediglich ein großer Modehändler findet sich in den größeren deutschen Indizes. Dabei handelt es sich auch um den bekanntesten und modernsten: Zalando. Die aus der Startupschmiede der Samwer-Brüder entstandene Unternehmung betreibt einen großen Online-Versandhandel und bringt mit eigenen Labels auch regelmäßig Kollektionen auf den Markt. Auch international ist der Konzern tätig und betreibt mittlerweile weltweit Onlineshops und Logistikzentren zum Vertrieb seiner Produkte. Seit dem Börsengang 2014 und dem kurzzeitigen Fall des Aktienkurses auf unter 20,00 Euro konnte sich dieser mehr als verdoppeln und lag bereits bei über 40,00 Euro. Nach einer kleinen Konsolidierung bewegt er sich mittlerweile bei ca. 35,00 Euro. Selbst Analysten trauen der Aktie und somit dem Unternehmen noch mehr zu und erwarten weiter steigende Kurse.

Dagegen stehen die Adler Modemärkte für die veraltete Form des Modehandels. Adler betreibt in Innenstädten und auch an größeren Gewerbeansammlungen große Modemärkte, in denen verschiedenste Marken angeboten werden. Ein Großaktionär – die Steilmann-Gruppe – musste in diesem Frühjahr Insolvenz anmelden, was für den Niedergang des klassischen Modehandels spricht und dem Wandel hin zum Onlinemodehandel. Die Aktie von Adler bewegt sich derzeit Nahe seinem 5-Jahres-Tiefs bei 5,00 Euro. Auch den Platz in den Indizes musste Adler räumen und ist im Prime Standard notiert. Analysten meiden Aussagen zur Aktie.

Es bleibt also eine Frage: Chance oder Risiko?

Diese Frage kann man also nicht pauschal beantworten. Man muss auch zugeben, dass die Risiken hier enorm sind und bereits eine verkorkste Kollektion große Schwierigkeiten bringen kann. Sollte sich jedoch die Erholung im deutschen Modemarkt durchsetzen, kann man momentan günstig einsteigen und große Gewinne generieren. Wer also das Risiko nicht scheut, ist in der Modebranche Deutschlands gut aufgehoben. Alle anderen sollten die Finger davon lassen.

 

veröffentlicht von Harald

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