Bayern ist das wirtschaftlich stärkste deutsche Bundesland. Und auch im europäischen Vergleich spielt der Freistaat in der ersten Liga mit. Das verdankt Bayern allerdings nicht den dort angesiedelten Großkonzernen, sondern seinem enorm produktiven Mittelstand. Ein paar Branchenriesen segeln aber doch unterweiß-blauer Flagge. Dies sind größten Unternehmen mit Firmensitz in Bayern:

Platz 5: Linde

Linde Arbeitgeber Bayern

Bildquelle: The Linde Group

Auf Platz fünf liegt der Linde-Konzern mit Sitz in München. Für Linde arbeiten weltweit etwa 65.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von circa 17 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Geschichte des Unternehmens reicht ins 19. Jahrhundert zurück. 1873 hat die Münchner Spaten-Brauerei erstmals eine von Carl von Linde entwickelte Kältemaschine installiert. Der Tüftler gründete bald darauf die “Gesellschaft für Linde’s Eismaschinen Aktiengesellschaft”, der spätere Linde-Konzern war geboren. Heut verdient das Unternehmen sein Geld vorwiegend mit Gas und Anlagen, die der Gasgewinnung dienen. Unter Leitung des charismatischen Managers Wolfgang Reitzle gewann das Unternehmen auch in der Öffentlichkeit an Profil.

Platz 4: Media-Saturn-Holding GmbH

Media Saturn Hauptverwaltung in Ingostadt

Media Saturn Hauptverwaltung in Ingostadt, Bildquelle: MediaSaturn

Die Nummer vier unter den ganz großen Unternehmen mit Sitz in Bayern ist die Media-Saturn-Holding GmbH, die genau wie Audi, in Ingolstadt sitzt. Der Elektroartikel-Filialist gehört heute mehrheitlich zu der CECONOMY AG aus Düsseldorf. Für Media-Saturn arbeiten insgesamt etwa 65.000 Frauen und Männer, der Umsatz pendelt um die 20-Milliarden-Euro-Marke. Bekannt waren die Märkte schon immer. Ab 2002 schrieb Saturn mit ihrem Slogan “Geiz ist geil” deutsche Werbegeschichte und läuteten eine Pfennigfuchser-Kultur ein, die dem deutschen Einzelhandel noch heute zu schaffen macht. Mittlerweile hat sich die Marke von dem, was die Konkurrenz oft als “Preis-Irrsinn” bezeichnete, aber verabschiedet und setzt stattdessen auf besseren Service.

Platz 3: Audi

Platz drei geht an den Nobelkarossen-Hersteller aus Ingolstadt. In Deutschland steht das Unternehmen stets ein wenig im Schatten der beiden anderen großen Premiummarken Mercedes und BMW. International ist Audi aber der Inbegriff für gediegenen Luxus aus Deutschland. Audi beschäftigt weltweit etwa 88.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von etwa 60 Milliarden Euro. Das Unternehmen gehört heute zum VW-Konzern und wurde 1927 von dem Maschinenbauingenieur August Horch in Zwickau gegründet. Was heute kaum einer weiß, Horch ist nicht nur der Gründer, sondern auch der Namenspatron der Marke. Nach einem Zerwürfnis mit seinen ersten Geschäftspartnern machte sich Horch selbständig, hatte aber die Rechte an der Marke Horch verloren. Heinrich Finkentscher, ein Zwickauer Gymnasiast und Sohn eines guten Freundes, schlug daraufhin vor, den Namen Horch einfach ins Lateinische zu übersetzen. Audi war geboren und fuhr schnell an die Spitze. Der ausgezeichnete Ruf des Unternehmen begann erst zu leiden, als der Abgas-Skandal, der die Wolfsburger Muttergesellschaft beutelte, auch nach Ingolstadt überschwappte. Auch die Nobelmarke hatte bei ihren Dieselfahrzeugen bei der Schadstoffmessung getrickst und musste über 800.000 Fahrzeuge zurückrufen.

Platz 2: Siemens

Der Siemens-Konzern ist zwar kein rein bayerisches Unternehmen, das ist aber kein Grund die Firma mit Sitz in München zum “Preußen” zu erklären und nicht mitzuzählen. Das Unternehmen wurde im Jahr 1847 von Werner Siemens und Johann Georg Halske als “Telegraphen Bau-Anstalt” gegründet. Aus der kleinen Werkstadt in einem Hinterhaus in der Schöneberger Straße in Berlin wurde schnell einer der führende Technologie-Konzerne auf dem Globus. Das Unternehmen beschäftigt weltweit etwa 350.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von knapp 80 Milliarden Euro. Sein Geld verdient der Mischkonzern seit jeher mit höchst unterschiedlichen Produkten. In seinen Anfängen verbesserte Siemens nicht nur den Zeigertelegraf und baute die erste Telegrafenfernlinie Europas, er unterhielt auch ein Werk für Glühlampen und konstruierte 1882, quais nebenbei, die erste elektrische Grubenlok  für den Steinkohlebergbau. Auch heute kann man das Geschäftsfeld des DAX-Konzerns nur als breit aufgestellt bezeichnen. Ein wichtiges Segment ist die Medizintechnik. Das Unternehmen stellt aber auch Windräder für die alternative Energiegewinnung und hochmoderne Gasturbinen her. Siemens galt lange Zeit als eines der renommiertesten deutschen Unternehmen überhaupt. Ab 2006 kamen jedoch Korruptionsvorwürfe ans Tageslicht, die sich zum größten Compliance-Skandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte auswuchsen. Das Unternehmen hatte im großen Stil „Schwarze Kassen“ angelegt, um durch Schmiergeldzahlungen an lukrative Großaufträge zu gelangen. Dafür wurde der Konzern 2007 vom Landgericht München zu einer Geldbuße in Höhe von 201 Millionen Euro verurteilt. Noch sind aber nicht alle Ermittlungen abgeschlossen. Der Gesamtschaden, der dem Konzern aus der Affaire erwuchs, wird auf knapp 3 Milliarden Euro geschätzt.

Platz 1 BMW

Dass Bayerns bekanntestes Unternehmen auch gleichzeitig das wirtschaftlich wichtigste ist, dürfte niemanden überraschen. Die Bayerischen Motoren Werke, die, wo auch sonst, ihren Sitz in München haben, sind schon seit beginn des 20. Jahrhunderts äußerst erfolgreich. Unter dem Motto “Freunde am Fahren” produzieren die Autobauer aus der Weltstadt mit Herz Fahrzeuge, die auf der ganzen Welt beliebt sind. Selbst James Bond wird regelmäßig in einem BMW gesichtet. Das Unternehmen beschäftigte im Jahr 2016 weltweit knapp 125.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 96 Milliarden Euro. In Deutschland istdas Unternehmen mit immerhin 76.000 Arbeitsplätze einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Zu dem großen Erfolg des Konzerns tragen neben der Stammmarke BMW auch die vormals britischen Marken Mini und Rolls Royce bei. Streng genommen fährt mittlerweile also nicht nur der gefährlichste Spion ihrer Majestät, sondern die Queen höchst selbst in einem bayerischen Automobil durch die Gegend. Da ist es ein großes Glück, dass die Müncher bis heute scheinbar eine weiße Weste haben und bisher in keinen der großen Skandale, die die Automobilbranche erschüttern, verwickelt sind. Mittlerweile soll zwar auch schon ein manipuliertes Dieselfahrzeug von BMW entdeckt worden sein, die Münchner weisen aber bisher alle Vorwürfe energisch zurück.

veröffentlicht von Jean-Pierre

One Comment

  1. […] Seit dem ist Ceconomy in Europa für den Bereich der Kundenelektronik über die Unternehmen Media-Markt und Saturn zuständig, die Metro ist auf das internationale Geschäft Großhandel und den Food-Service-Bereich […]

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