Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 bringt das weltweite Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs. Die Verwerfungen sind auch in Deutschland heftig. Einige Geldhäuser brauchen milliardenschwere Hilfen vom Steuerzahler, andere verschwinden von der Bildfläche. Eine alphabetische Übersicht über wichtige Rettungsaktionen und die Folgen:

Von Jörn Bender, dpa, und Daniel Schnettler, dpa-AFX

BAYERNLB: Die Landesbank hatte sich im Zuge der US-Hypothekenkrise verspekuliert und musste mit Notkrediten von zehn Milliarden Euro gestützt werden. Die EU-Kommission verordnete eine radikale Schrumpfkur mit Halbierung der Bilanzsumme. In diesem Sommer überwies die Bank die letzte Milliarde der von Brüssel angeordneten Rückzahlung von fünf Milliarden Euro.

COMMERZBANK: Die zweitgrößte deutsche Privatbank geriet nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise in Turbulenzen. Der Staat sprang ein. Die direkten Staatshilfen haben die Frankfurter vor einigen Jahren zurückgezahlt. Der Bund ist mit rund 15 Prozent aber weiterhin größter Einzelaktionär der Bank.

HRE: Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wurde zunächst mit staatlichen Milliardenhilfen aufgefangen. 2009 wurde die Bank notverstaatlicht. Die Altlasten wurden später in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert, die weiter im Staatsbesitz ist. Die profitable Kernbank Deutsche Pfandbriefbank kam 2015 an die Börse, der Bund blieb aber Großaktionär.

HSH NORDBANK: Die Landesbank geriet 2008 in den Strudel der Finanzkrise und musste von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden. Im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Garantien verlangten die EU-Wettbewerbshüter den Verkauf des Instituts bis Ende Februar 2018.

IKB: Die IKB Deutsche Industriebank war eines der ersten Opfer der Krise. Sie verspekulierte sich mit US-Hypotheken und wurde 2007 von der staatlichen Förderbank KfW, dem Bund und anderen Banken mit Milliarden gerettet. Später übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star das Institut.

LBBW: Die Eigner – das Land Baden-Württemberg, die Sparkassen im Südwesten und die Stadt Stuttgart – stützten das Institut 2009 mit einer milliardenschweren Kapitalspritze und Bürgschaften. Als Auflage für die Hilfen verordnete die EU der Bank eine Schrumpfkur und einen strengen Sparkurs. Inzwischen ist die Landesbank wieder auf Kurs.

SACHSENLB: Das Institut stand im Sommer 2007 wegen fragwürdiger Kreditgeschäfte in Milliardenhöhe am Rand des Abgrunds. Die Bank wurde an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) notverkauft.

WESTLB: Die einst größte deutsche Landesbank ist Geschichte. Das Institut war durch Fehlspekulationen tief in die roten Zahlen gerutscht und musste von seinen Eigentümern – dem Land NRW und den Sparkassen – mit Milliarden gestützt werden. Im Gegenzug verlangten die EU-Wettbewerbshüter eine Zerschlagung. Mitte 2012 wurde der Düsseldorfer Konzern aufgespalten. Das Sparkassengeschäft übernahm die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

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