Pünktlich vor dem G20-Gipfel der Top-Wirtschaftsmächte kommen auch von deutschen Unternehmen Warnsignale. Jede zweite global agierende Firma sieht in der Wirtschaftspolitik ein Risiko für die eigenen Geschäfte – laut DIHK so viele wie noch nie.

Deutsche Unternehmen sind über die wachsende Zahl von Handelsbarrieren im internationalen Geschäft beunruhigt. Knapp ein Viertel der im Ausland tätigen Unternehmen sieht seine Geschäftstätigkeit wegen zunehmender Handelshemmnisse gefährdet, wie aus einer am Dienstag in Berlin vorgelegten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht. Demnach sind 23 Prozent besorgt über Abschottung und die Bevorzugung einheimischer Unternehmen. Im Herbst 2016 waren es 16 Prozent der befragten Unternehmen.

«Die Zunahme von Handelshemmnissen und protektionistische
Tendenzen wie die „America-First“-Strategie der US-Regierung sorgen für mehr Unsicherheit», heißt es in der Umfrage. «Deutsche Unternehmen sehen im internationalen Geschäft Jahr für Jahr aufs Neue eine Zunahme an Barrieren.» Derzeit gebe es wenig Anzeichen dafür, dass sich eine Trendwende anbahne.

Bei Handelsthemen sei es im Kreis der Top-Wirtschaftsmächte – sowohl in der G7- als auch der G20-Gruppe – «schwieriger geworden, mit einer Stimme zu sprechen», heißt es. Erstmals stufen die Unternehmen den Angaben zufolge die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als ein Top-Risiko ein. Jedes zweite Unternehmen sehe darin inzwischen ein Problem in den kommenden zwölf Monaten – so viele wie noch nie.

«Die Unsicherheit bei den international agierenden deutschen Unternehmen ist … sehr groß», sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Der Brexit – der geplante Ausstieg der Briten aus der EU -, handelspolitische Aussagen der US-Regierung und der in vielen Regionen der Welt zunehmende Protektionismus seien die Hauptursachen. Auch die Schuldenlast vieler Länder bereite den Unternehmen Sorgen. Von ausbleibenden Investitionen sei vor allem die deutsche Wirtschaft betroffen.

«Diese Warnsignale sollten nicht überhört werden», mahnte Treier. «Die G20-Länder sollten bei ihrem Gipfel in Hamburg ein deutliches Zeichen für freien Welthandel und für fairen Wettbewerb setzen.» Klare Signale für eine enge Zusammenarbeit seien dringend nötig: «Die wirtschaftliche Entwicklung ist kein Selbstläufer.» Trotz der Risiken überwiege aber die Zuversicht der Unternehmen.

Aktuell erwartet der Umfrage zufolge ein gutes Drittel der weltweit mehr als 4000 befragten Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten eine positive Konjunkturentwicklung. 55 Prozent der international aufgestellten Unternehmen bezeichneten ihr aktuelles Geschäft als gut. 56 Prozent erwarteten bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten. Daher wollten 39 Prozent mehr investieren und 42 Prozent mehr Mitarbeiter einstellen.

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veröffentlicht von Redaktion

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