Daumen rauf, Daumen runter – das ist die Frage: Jetzt hat Bayer die Freigabe der milliardenschweren Übernahme von Monsanto bei der EU beantragt. Damit geht der Deal in die Endrunde.

Von Peter Lessmann, dpa

Seit Monaten hängt die milliardenschwere Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer in der Luft. Zahlreiche Wettbewerbsbehörden prüfen die Akquisition, die mit 66 Milliarden US-Dollar der größte Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland ist. Jetzt hat der Bayer-Vorstand um Konzernchef Werner Baumann in der Hängepartie einen weiteren Schritt nach vorne getan: Wie bereits vor einigen Wochen angekündigt, wurde das Vorhaben nun zur Genehmigung bei der EU-Wettbewerbsbehörde eingereicht.

Damit liegt die Übernahme auf dem Tisch der Brüsseler Kartellwächter. Und sie werden am Ende mit ihrem Votum über das Gelingen oder Scheitern des Zukaufs entscheiden. Der Spruch der Wettbewerbsbehörde ist für Bayer ähnlich wie in den USA, wo die Prüfung schon seit dem vergangenen Dezember läuft, mitentscheidend für das Gelingen des Erwerbs überhaupt. Auch in zahlreichen anderen Ländern nehmen Wettbewerbsaufseher den Deal derzeit unter die Lupe, einige haben ihn bereits abgesegnet.

Brüssel wird sich Zeit nehmen und voraussichtlich in eine vertiefte Prüfung gehen. Dennoch halten Kartellexperten eine Entscheidung bis zum Jahresende nach wie vor für möglich. Davon geht auch Bayer-Chef Baumann aus, der seine Zuversicht erst vor wenigen Wochen erneuerte: Die Gespräche mit den Wettbewerbshütern seien sehr gut und konstruktiv. Dennoch stellt sich Bayer darauf ein, bestimmte Bereiche veräußern zu müssen, um die Freigabe zu erhalten.

«Wir erwarten weiterhin, die Transaktion bis Ende 2017 abschließen zu können», hatte Baumann auf der Hauptversammlung Ende April den Anteilseignern gesagt. Mit Monsanto könne Bayer durch Innovation und ein stärkeres Wachstum langfristig erheblich zusätzlichen Wert schaffen, rührte er die Werbetrommel für den Zukauf.

Tatsächlich stehen die Chancen für Bayer offenbar gar nicht schlecht. Erst vor wenigen Wochen hatten die EU-Kartellwächter unter Auflagen grünes Licht für die Zusammenschlüsse von Syngenta (Schweiz) und ChemChina sowie Dow Chemicals und DuPont (beide USA) gegeben und damit ein Ausrufezeichen gesetzt.

«Ich bin pessimistisch, die Übernahme wird wahrscheinlich genehmigt werden», meint Christine Vogt, Referentin für Landwirtschaft und Gentechnik am Umweltinstitut München. Das Institut verfolgt seit Jahren die Entwicklung auf den Agrarmärkten und die zunehmende Konzentration in der Branche kritisch.

Neben den Freigaben der Übernahmen scheint sich die Agrarchemie auch in der Frage des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat durchzusetzen. So war die European Chemical Agency (ECHA) unlängst zu dem Schluss gekommen, dass das Pestizid nicht als krebserregend einzustufen sei. Doch harmlos ist es keinesfalls. Der US-Staat Kalifornien hatte erst kürzlich Glyphosat zum Schutz des Trinkwassers auf die schwarze Liste gesetzt.

Auch die ECHA räumt ein, dass das Pflanzengift massive negative Einflüsse auf Artenvielfalt habe, schwere Augenschädigungen hervorrufen könne und giftig sei für das Wasser-Ökosystem. Das ist für Umweltschützer allemal Grund genug, das Herbizid endgültig zu verbannen.

Ob es tatsächlich zu einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat komme, sei keineswegs sicher, macht Vogt vom Umweltinstitut den Kritikern Mut. Die EU-Länder müssten dem schließlich noch zustimmen. Doch die Stimmung spricht nicht unbedingt für die Kritiker. Für Bayer und Monsanto wäre ein Glyphosat-Verbot ein herber Rückschlag. Das Pestizid, das Monsanto unter dem Namen Roundup verkauft, gehört zu den am meisten verwendeten Unkrautvernichtern.

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