Sie gelten als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien der Autoindustrie – selbstfahrende Autos. Deutsche Konzerne wollen vorne mitmischen und setzen auf Allianzen mit chinesischen Konzernen.

Die deutschen Autobauer wollen angesichts des drohenden Handelskonflikts mit den USA ihr Engagement in China ausbauen. BMW und Audi vermeldeten am Dienstag neue Partnerschaften auf ihrem wichtigsten Einzelmarkt, um beim autonomen Fahren künftig weiter vorne mitzumischen. BMW prüft gemeinsame Projekte mit dem chinesischen Suchmaschinengiganten und Technologiekonzern Baidu, die VW-Tochter Audi und der Telekommunikationsausrüster Huawei wollen die Vernetzung von Autos vorantreiben.

Die Politik stützt die Kooperationen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Chinas Premier Li Keqiang bekräftigten in Berlin, dass Deutschland und China ihre Zusammenarbeit bei autonomen Fahrzeugen als einer der wichtigsten Zukunftstechnologien der Autoindustrie vertiefen wollen.

Sowohl die EU als auch China haben derzeit im internationalen Handel Ärger mit US-Präsident Donald Trump, der China mit Strafzöllen belegt hat und der Europäischen Union bei Autos mit höheren Einfuhrabgaben droht. China hat bereits reagiert und die Zölle auf Autos aus US-Produktion erhöht, die EU will sich bei neuen Handelsschranken ebenfalls mit Gegenmaßnahmen wehren.

BMW will mit Baidu gemeinsame Projekte für autonomes Fahren ausloten. Der Autobauer wird auch Mitglied im Vorstand von Baidus offener Technologieplattform Apollo, in der Regeln und Standards für Fahrerassistenzsysteme diskutiert werden. «Wir streben nach weltweit einheitlichen Technologiestandards, um die regionalen Unterschiede bei Umsetzungstempo und Regulatorik zu beseitigen», sagte BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

BMW entwickelt in einer eigenen Plattform mit dem US-Tech-Konzern Intel, dessen Tochter Mobileye und mit diversen Zulieferern Technik für das autonome Fahren. Gemeinsame Projekte mit Baidu könnte es unter anderem in Datenanalyse und Sprachsteuerung geben.

Audi und Huawei verabredeten eine strategische Kooperation, um das automatisierte Fahren und die Vernetzung von Diensten rund ums Auto weiterzuentwickeln. «Unser Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit und Optimierung des Verkehrsflusses für eine intelligente Stadt. In den Konzepten konzentrieren wir uns dabei zunächst auf den chinesischen Markt», sagte Audi-China-Manager Saad Metz. Mit Datenverbindungen zwischen Auto und zum Beispiel Ampeln sollen Fahrerassistenzsysteme besser werden. Audi hatte das mit Huawei in der Millionenstadt Wuxi bereits im vergangenen Jahr getestet.

Auch Daimler hat konkrete Projekte: Zum Beispiel haben die Stuttgarter vergangene Woche die Erlaubnis bekommen, autonom fahrende Autos künftig auf öffentlichen Straßen in Peking zu testen. Dabei arbeiten auch die Schwaben mit Baidu zusammen.

Die Unsicherheiten rund um Einfuhrzölle haebn sich auch auf den Autokauf in China ausgewirkt. Nach Daten des Herstellerverbandes PCA wurden im Juni 1,7 Millionen Autos und kleinere Nutzfahrzeuge verkauft. Das waren 3,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, was das größte Monatsminus seit Januar 2017 war. In den ersten sechs Monaten beträgt das Plus aber noch 3,2 Prozent.

Zum 1. Juli sinken Einfuhrzölle für Autos in China generell von 25 auf 15 Prozent. Allerdings erhöht Peking wegen des Handelsstreits mit den USA die Zölle für Autos aus US-Produktion auf 40 Prozent. Das trifft auch die deutschen Hersteller BMW und Daimler, die in ihren US-Werken auch Autos für den chinesischen Markt bauen.

veröffentlicht von Redaktion

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