Die 1472 gegründete “Banca Monte dei Paschi di Siena” ist die älteste heute existierende Bank der Welt. Die Bank aus der Toskana gehört zur MPS Gruppe. Mit einer Bilanzsumme von etwa 160 Milliarden Euro am Ende des dritten Quartals 2016 ist sie die drittgrößte Bank Italiens. Spätestens seit Anfang Dezember 2016 ist die Bank, genauer gesagt ihre finanzielle Situation, eines der brisantesten Themen Europas. Mit einem Wert von circa 55 Milliarden Euro sind etwa ein Drittel aller Kredite der Bank faul. Die Banca Monte dei Paschi ist nicht die einzige im Land mit erheblichen Problemen. Auch Unicredit, die größte Bank des Landes, muss sich mit faulen Krediten in Höhe von rund 77 Milliarden Euro auseinandersetzen. Da es sich bei Unicredit jedoch nur um ein Siebtel der gesamten Kreditsumme handelt und die Bank wirtschaftlich besser aufgestellt ist, gehen Experten davon aus, dass Unicredit sich aus der Krisensituation befreien wird. Ganz anders ist der Eindruck bezüglich der Banca Monte dei Paschi. Bereits im Sommer 2016 machte die Bank im negativen Sinne auf sich aufmerksam. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) machte einen Stresstest, um 51 europäische Großbanken auf ihre Krisenfestigkeit zu überprüfen. Vermutet wurde, dass insbesondere italienische Banken dabei schlecht abschneiden. Der Stresstest zeigte, dass 80% der italienischen Großbanken zumindest die Mindestkriterien erfüllen. Insgesamt wurden die Ergebnisse des Stresstests derart interpretiert, dass Europas Großbanken grundsätzlich krisenfest sind. Vor allem im Vergleich zum Stresstest von 2014 habe sich die Lage der Banken verbessert. Dabei sei angemerkt, dass dieses Mal die griechischen und portugiesischen Banken nicht Teil des Tests waren.

Probleme in der Toskana seit langer Zeit

Trotz aller Erleichterung kann von einer allgemeinen Entwarnung nicht die Rede sein. Die Ergebnisse mehrerer Banken waren besorgniserregend. Allen voran die Banca Monte dei Paschi aus der Toskana: wie beim letzten 2014 belegte sie wieder den letzten Platz. Mitte des Jahres 2014 hatte die Bank gerade das zweite Quartal mit einem Minus von etwa 180 Millionen Euro beendet und lag damit auch noch unter den Prognosen der pessimistischsten Analysten. Es war damit das neunte Quartal nacheinander, in dem die Bank ein negatives Ergebnis aufzuweisen hatte. Dabei war die Bank erst 2013 mit 4,1 Milliarden Euro vom italienischen Staat vor dem Bankrott gerettet worden. Der Stresstest aus dem Jahre 2016 zeigte nun, dass die Bank den negativen Trend nicht umkehren konnte. Vielmehr hat sich ein jahrelanger negativer Prozess fortgesetzt und verfestigt. Seit 2007 befindet sich die Aktie von Monte dei Paschi im Sinkflug: über 90 Prozent ihres Wertes hat sie dabei eingebüßt. Die Bank, die mal einen Wert von zwölf Milliarden Euro hatte, hat heute einen Börsenwert von unter einer Million Euro. Ein dramatischer Wertverlust. Dabei verwundert es auch nicht, dass es der Bank derzeit schwer fällt Investoren zu finden, die der Bank frisches Kapital zur Verfügung stellen. Die Ursachen dieser Krise sind zum größten Teil dieselben, wie bei anderen krisengeschüttelten Banken: die Bank ist bei Investments ein zu großes Risiko eingegangen, hat sich verspekuliert, die Arbeitsweise ist ineffizient und es wurden Unternehmen akquiriert, bei deren Kauf sich die Bank selbst überschätzt hat. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bewältigung der Probleme hinausgezögert wurde. Das Motiv war wohl, die Anleger nicht zu prellen, wodurch die Probleme natürlich nicht gelöst, sondern nur nach hinten geschoben wurden. Dieses Vorgehen scheint System zu haben, da es bei mehreren italienischen Banken angewandt wurde. Zur katastrophalen Entwicklung der letzten Jahre passt, dass im Sommer 2016 Ermittlungen gegen den damaligen Chef, Fabrizio Viola, wegen Bilanzfälschung und Marktmanipulation eingeleitet wurden. Kurz darauf wurde er von Marco Morelli ersetzt.

So soll die Bank gerettet werden

Der Weg aus der Krise gestaltet sich nun schwierig. Die Sanierung der Bank erfordert harte Einschnitte. Circa 2.600 Stellen sollen gestrichen werden. Bei einer aktuellen Mitarbeiterzahl von unter 26.000 sind das 10 Prozent der Belegschaft. Darüber hinaus sollen rund 500 Filialen geschlossen werden. Der wichtigste Faktor ist jedoch, dass die Bank über neues Kapital verfügt. Bisherige Versuche private Anleger zu gewinnen, sind gescheitert. Ziel der Bank in 2017 ist es, 15 Milliarden Euro an Fremdkapital zu besorgen. Die EZB hatte zuvor errechnet, dass die Bank einen Kapitalbedarf von 8,8 Milliarden Euro hat. Die EU-Regularien schreiben vor, dass Anleger an der Rettung partizipieren sollen. Dadurch kamen in diesem Fall 2,2 Milliarden Euro zusammen. Die 40.000 Privatanleger sollen jedoch von staatlicher Seite entschädigt werden, wofür der Staat etwa zwei Milliarden Euro bereitstellen wird. Kurzfristig soll der Staat der Bank 4,6 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, womit Italien insgesamt etwa 6,6 Milliarden Euro zur Rettung von Monte dei Paschi aufwendet. Für die anvisierten 15 Milliarden an Fremdkapital wird der Staat Garantien geben.

Wie dramatisch können die Folgen sein?

Das Parlament hatte der Regierung Mitte Dezember erlaubt 20 Milliarden Euro Schulden für eventuelle Bankenrettungen aufzunehmen. Betrachtet man die Gesamtsituation der italienischen Banken, dann sind Zweifel angebracht, ob dieses Budget reicht. Italien hat ohnehin schon einen hohen Schuldenberg von 2,2 Billionen Euro. Innerhalb der Eurozone ist nur Griechenland höher verschuldet, wenn der Schuldenberg in Relation zum Bruttoinlandsprodukt betrachtet wird. Absolut gesehen ist Italien weltweit am dritthöchsten verschuldet. Italiens Wirtschaft befindet sich derzeit in einer angespannten Situation. Die Reformen der Regierung unter Renzi haben nicht in der Form gegriffen, wie das angestrebt wurde. Insbesondere deswegen ging das Referendum Anfang Dezember für Renzi verloren, woraufhin er als Regierungschef zurücktrat. Die Entwicklung rund um die Banca Monte dei Paschi und andere Krisenbanken muss im Auge behalten werden, genauso wie die gesamtwirtschaftliche Situation. Sollte sich die Lage nicht entspannen, kann das gravierende Folgen haben. Griechenland wurde in den letzten Jahren mehrmals vor der Staatspleite bewahrt. Wenn in Italien ein ähnliches Szenario eintritt, ist die Herausforderung für die EU um ein Vielfaches höher. Italien ist eines der größten Länder der Europäischen Union. Der Ökonom Hans-Werner Sinn geht von einem Austritt Italiens aus der Euro-Zone aus, weil das Land mit der Währung nicht zurechtkommt und die Wirtschaft darunter leidet. Dieser Schritt dürfte für ziemliche Unruhe in der EU sorgen. In den kommenden Monaten gilt es die Probleme der italienischen Banken adäquat zu lösen und auf einen Aufschwung der Wirtschaft hinzuwirken. Dann sind positivere Szenarien möglich. Dass die Probleme der Banken aufgeschoben wurden, hat sich überhaupt nicht ausgezahlt. Die Hoffnung besteht darin, dass die Trendwende noch rechtzeitig eingeleitet werden kann.

veröffentlicht von Harald

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